Selbstdarstellung

So bringst du sprachlich MEHR ICH rein

Eine meiner Hauptbotschaften ist:

„Mach deine Texte sabiniger/peteriger/margitiger [deinen Namen einsetzen]!“

Jeder Text wird sofort persönlicher – und einzigartiger –, wenn du DICH mehr einbringst, und zwar nicht nur mit deinen Erfahrungen, deiner Haltung und deiner Denke, sondern vor allem dadurch, wie du klingst.

Oft höre ich: „Ich möchte so schreiben können wie du!“ 

Weißt du, was viel besser ist? Dass du so schreiben kannst wie du! 🙂

Lass uns am besten mal anschauen, was unsere eigene Sprache ausmacht.

Wenn wir „live“ mit anderen Leuten zusammen sind, haben wir eine ganz eigene,  unverwechselbare Art zu reden:

Wir nutzen einen bestimmten Wortschatz.

Damit meine ich nicht nur den aktiven Wortschatz, also die Wörter, die wir ständig verwenden. Auch Fachjargon steht dabei heute nicht im Mittelpunkt, sondern dass wir Wörter nutzen, die zu uns passen.

Jetzt kommt das Authentisch-sein ins Spiel: Jeder von uns hat seine eigene Persönlichkeit, Art und Überzeugungen – was sich natürlich aufs Sprechen auswirkt. So sind manche Leute dramatischer, witziger, vorsichtiger, intellektueller, … Plus: Bestimmte Wörter mögen wir besonders gerne, andere meiden wir absichtlich.

Wir haben eine ganz eigene Art, zu formulieren.

Seinerzeit, als ich noch Präsenzseminare gegeben habe, haben mir Teilnehmer oft am ersten Abend erstaunt gesagt: „Boah! Du redest genauso wie du schreibst.“ – Umgekehrt! Umgekehrt!

Wir haben uns Sprachmuster angewöhnt. Es gibt Leute, die sprechen in Schachtelsätzen. Andere streuen rhetorische Fragen ein. Wieder andere äußern sich in kurzen Sätzen. Und und und … 

Wir unterscheiden uns im Sprech-Rhythmus

Damit sind nicht nur Redegeschwindigkeit + Pausen gemeint, auch Formulierungsgewohnheiten und sogar Körpersprache tragen zum Rhythmus bei. Ich mache beispielsweise beim Reden gerne mal Aufzählungen und durch Gestik/Mimik – wie Augenrollen – taktet sich mein Sprechen anders.

Dazu kommt, dass wir je nach Thema und Umgebung anders „drauf“ sind, also schneller, aufgeregter oder total gelassen und strukturiert reden.

Das ist jetzt alles nur angerissen, damit du dir die Komplexität noch mal bewusst machst, die in unsere ganz eigene, unverwechselbare Sprech-Sprache einfließt.

Würden zehn von uns inhaltlich dasselbe sagen, würde es dennoch verschieden klingen.

Doch Vorsicht: Gerade im Businesskontext sind wir nicht immer wir selbst. Das bedeutet bei einigen Selbstständigen, dass sie eine Businesspersönlichkeit zur Schau stellen und unter Familie/Freunden ein anderer Mensch sind. Häufig ist die Kluft nicht ganz so groß, doch im Business traut sich nicht jeder, mehr aus sich rauszugehen. Mitunter, weil man den Eindruck hat, das „macht man nicht“.

Als EinzelunternehmerInnen, erst recht auf der eigenen Plattform, ist es fürs Business essenziell, dass du dich zeigst. So persönlich wie möglich. Denn dein Angebot mag austauschbar sein, die Kombination DU + DEINE LEISTUNG ist es nicht.

Fast alle von uns bieten Leistungen, die es woanders ebenfalls zu kaufen gibt. Wir schreiben über Themen, die schon woanders stehen. Nur, wenn unsere Texte nach uns klingen, wenn wir unsere Art, Herangehensweise und Standpunkte äußern, können sie für unser Business arbeiten – und letztlich für Aufträge sorgen.

Je mehr du dich zeigst, je mehr Texte nach dir klingen, desto mehr bekommt deine Zielgruppe von dir mit. Sie kann sich einen richtigen Eindruck von dir machen, der die Wahrscheinlichkeit auf einen Auftrag erhöht. Und der die Leute wegfiltert, zu denen du nicht passt.

Das allerwichtigste für mich ist aber, dass es sich viel besser anfühlt, wenn wir uns treu sind. Wenn das, was wir nach außen von uns zeigen, mit dem übereinstimmt, wie wir sind. – Ich habe früher viele Jahre Business-Coachings gemacht: Bewerber, Angestellte und Selbstständige gecoacht. Immer dann, wenn ich die Fassade eingerissen habe, wenn die Menschen einfach nur sie selbst waren, hat sich total das Gesicht verändert. Plötzlich war eine ganz andere Ausstrahlung da, gabs eine Verbindung.

Was heißt das jetzt fürs Schreiben?

Niemand von uns redet geschliffen …

… beim Schreiben aber haben wir die Chance bzw. den Anspruch, dass es perfekt sein soll. Und das ist leider das Problem.

Denn so toll es ist, dass das Geschriebene noch mal geprüft und verbessert werden kann, so ist genau das ein richtiger Feind guter, eigener Texte. Nämlich dann, wenn du statt Feinschliff deine persönliche Art plattmachst.

Zwei grundlegende Gegenmittel:

(1) Hör dir – und anderen – im Alltag aufmerksam zu! Das müssen keine eigenen Gespräche sein. Mach einfach die Ohren lang, wenn du im Café oder der Bahn sitzt. Achte speziell auf das WIE. Du wirst staunen, wie „schlampig“ Gespräche sind. – Das heißt nicht, dass du schlampig schreiben sollst. Es geht lediglich darum, mal den Perfektionsanspruch rauszukriegen. Die Mehrheit der Gespräche, die uns ganz normal, gut und schlau vorkommen, sind näher betrachtet alles anderes als perfekt.

(2) Erwarte nicht, dass du jederzeit alles, was du weißt/was man generell zu einer Sache sagen kannst, aussprichst. In jedem Gespräch ist uns klar, dass das gar nicht geht. Meist denken wir darüber gar nicht nach, wenn ein Kunde, Freund oder Kollege was von uns wissen will. Wir geben spontan eine Auskunft. Mitunter schicken wir was hinterher. Beim Drübernachdenken kommt einem später oftmal in den Sinn, was man noch hätte sagen sollen. Es ist wichtig zu verinnerlichen, dass alles, was wir so im Alltag verzapfen, immer eine Momentaufnahme ist. Und das ist gut so!

Beides soll den Perfektionszahn ziehen, der beim Schreiben gerne vorherrscht, und zwar nicht nur bei allen, die es perfekt machen wollen. Tatsächlich ist dieses „Es muss makellos formuliert sein“ + „Es muss alles beinhalten, was wichtig ist“ die größte Hürde, wenn es darum geht, dass deine Texte mehr nach dir klingen. Denn das macht das Ganze unnatürlich. Genau das Gegenteil davon, die eigene Persönlichkeit rauszulassen. Für manche ist das Schriftliche ein richtiges Korsett, von dem sie merken, dass es sie einschränkt. Dass es nicht so richtig nach ihnen selbst klingt. Manche finden ihre eigenen Texte langweilig.

Das Ideal: Du denkst den Text voraus …

… ich weiß, nicht jeder konzipiert vorab, und doch empfehle ich es ganz dringend – neben den Gründen, die ich im Video anspreche, erleichtert dir das Vorausdenken „im Selbstgesprächmodus“, ganz nah an deiner normalen Sprache zu bleiben.

Das ist Gold wert! Denn wenn die Kerninhalte ganz natürlich aus dir rausdürfen, verfällst du erst gar nicht ins Künstlich-Distanzierte.

Du bist dann schon in dem Fahrwasser, das du für einen natürlichen, flott geschriebenen Entwurf brauchst: Ein Plädoyer fürs Quick & Dirty 

Nachträglich mehr Ich reinbringen

Ist der erste Wurf fertig, gehts ans Feintuning. Trau dich, wenn du es nicht ohnehin machst, ans Quick & Dirty ran, denn dann brauchst du nachträglich nur noch wenig passend machen, weil der Text schon nach dir klingt.

Ich merke bei Kunden, die sehr neutral und sperrig schreiben, dass sie sich damit anfangs etwas schwer tun. Nicht, weil es schwierig wäre, sondern aus alter Gewohnheit. Der Schalter, ganz natürlich – ganz du selbst – zu sein, ist verhältnismäßig schnell umgelegt, solange du dich darauf einlässt. Das wiederum ist ganz ungefährlich: Denn der erste Entwurf ist nur für dich, den sieht sonst niemand! 🙂

Alles, was wir anders machen, fühlt sich die ersten paar Male seltsam an. Wir dürfen nur nicht nachgeben und ins Alte zurückverfallen.

Hier zwei Dinge, die du bei deinen nächsten Entwürfen abchecken kannst. Nimm dir dafür mehrere Durchgänge! Das zählt unter „schreiberische Weiterentwicklung“ und ist gut investierte Zeit.

Lies dir den Entwurf einmal laut vor.

Das ist ein alter Tipp, der so wertvoll ist, und doch oft nicht gemacht wird. Gerade um die Sätze/Passagen zu identifizieren, die noch nicht (genug) nach dir klingen, ist das laute Lesen unschlagbar. Wenn du das Geschriebene aussprichst, hörst du, ob es sich richtig anfühlt, ob du das bist. Mach das immer als allererstes und ohne gleichzeitig zu korrigieren. Hör, was und wie du es geschrieben hast – und unterringel es oder mach am Rand ein Fragezeichen oder vermerke ein Stichwort wie „etwas anders“. Behalte den Fokus voll auf dem Wie!

Bist du damit durch, kannst du zunächst mal nur die Sprache reparieren, mit der du unzufrieden bist. Alles, wo du gleich merkst „Das würde ich so nicht sagen!“ lässt sich ganz leicht verändern, indem du dir einfach laut vorsagst, wie du es sagen würdest.

Dosiere, was du anders sagen willst.

Wer den Entwurf wirklich quick & dirty schreibt, bei dem ist das flott gegangen, weil er sich eben nicht mit Formulierungen, doppelten Wörtern, etc. aufgehalten hat. Das heißt, dass ein guter erster Entwurf immer vollständig, aber unperfekt ist.

Du kannst in der Feintuningphase nun natürlich dosieren, was zu krass, zu lässig oder zu unrund aus dir rausgekommen ist. Das kann ein einzelnes Wort sein, das du doch ein wenig zu heftig findest. Oder du merkst, dass du unbeabsichtigt jemandem an den Karren fährst: Die Zielgruppe versehentlich abwatschen. – Achte beim Feinschleifen darauf, dass du nicht mit dem Verbesserungshobel deine Persönlichkeit abträgst!

Wer für andere schreibt, hat eine besondere Aufgabe:
Denn jetzt gehts darum, der Persönlichkeit dieser Firma/Person gerecht zu werden. Kennst du deinen Auftraggeber sehr gut und kannst ihn „channeln“, ist das meistens einfach. Wenn nicht, ist es total wichtig, erst einmal handfeste Ansatzpunkte zum WIE herauszufinden. Und das geht, wie ich hier beschrieben habe, über die typischen Selbstdarstellungen hinaus.

Nachdem du dich konzentriert um das Wie gekümmert hast, sind die regulären Korrekturen dran.

Eine sehr gute Nachricht ist, dass dein Hirn allzeit bereit ist, sich umzustellen. Es muss nur kapieren, was du von ihm willst. Wer bisher noch zu wenig persönlich schreibt, hat eine „Schrift-Schranke“ drin. Die wird beseitigt, wenn du beim Konzipieren und Schreiben den Selbstgesprächmodus nutzt + im Entwurf natürlicher mit deinen Lesern redest. Sobald die Schranke weg ist, fließt deine eigene Sprache automatisch ins Schreiben.

PS: Es geht immer noch was! Ich schreibe jetzt schon neunzehn Jahre beruflich meine eigenen Selbstdarstellungstexte, Artikel und Tipps – von Jahr zu Jahr werde ich persönlicher.