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Weichen stellen

Seit ich kürzlich beschlossen habe, dass Ende 2020 Schluss mit Schreibnudel ist, hat das ganz viel freigesetzt.

Darum lasst mich mal aufs Weichenstellen zu sprechen kommen. Denn das gilt für uns EinzelunternehmerInnen auf vielfältige Weise und es ist mehr damit gemeint, als sich nur darüber klarzuwerden, welche grundsätzlichen Schreibziele man so hat:

Weichen für gravierende Business-Veränderungen brauchen eine gewisse Vorlaufzeit.

Manchmal ist diese Vorlaufzeit deutlich länger, etwa wenn – wie bei mir – noch kein genauer Plan fürs Danach besteht. Oder wenn es wichtig ist, sich bis zum Stichtag neue Fähigkeiten anzueignen, vielleicht sogar eine Ausbildung zu machen. Bei anderen ist es der Wunsch, die Selbstständigkeit aufzugeben oder, umgekehrt, sich endlich selbstständig zu machen. Wieder andere wollen sich innerhalb des bisherigen Leistungsspektrums mehr spezialisieren, was zur Folge hat, dass sie andere, möglicherweise sehr gut gehende Leistungen langsam auslaufen lassen.

Es gibt Weichen innerhalb des bestehenden Geschäfts, die erhöhte Aufmerksamkeit und Aktion einfordern.

Etwa, wenn ich für meinen größten Auftraggeber nicht mehr arbeiten möchte – oder die gesamte Zielgruppe, auf die ich bisher fokussiert bin, austauschen will. Letzteres begegnet mir oft bei Selbstständigen, die bisher für eine Zielgruppe arbeitet, die nicht besonders zahlungkräftig ist. Es kann aber auch einfach sein, dass du merkst, dass dich eine bestimmte Sorte Mensch einfach viel mehr interessiert/erfüllt als deine bestehenden Kunden.

Viele Trainer stellen ihr Business mehr und mehr von Präsenzkursen auf Online-Leistungen um. Das ist ebenfalls eine gewaltige Weiche, die einen Rattenschwanz an Aktion nach sich zieht: Vom Aufbereiten des Materials, über Online-Fähigkeiten bis hin zum Überzeugen bestehender und neuer Kunden. Das muss meist neben dem gewohnten Präsenz-Betrieb geschehen, ist also ein Prozess, der klar eingeleitet und geplant werden will.

Und es gibt Weichen für einzelne Ziele, die du nebenher verfolgen willst …

… etwa wenn du dir vornimmst, nebenher ein Buch zu schreiben oder deine Arbeitszeiten so veränderst, dass du nur noch eine Vier-Tage-Woche hast oder halbtags arbeitest … idealerweise ohne deutliche Honorareinbußen. Mitunter sind es private Ziele, die berufliche Weichen einfordern, weil sie sich auf deinen bisherigen Businessalltag auswirken werden.

Eine Weiche ist immer eine Entscheidung … idealerweise zum Handeln!

Wollen wir als EinzelunternehmerInnen etwas deutlich verändern, geht es nicht nur um eine Entscheidung à la „Das will ich auch mal“, „Irgendwann“ oder „Ich würde gerne“ – und es sind keine kleineren kompakten Projekte, die man mal eben auf die To-Do-Liste setzt.

Wann immer der Kern unseres beruflichen Alltags und des bisherigen Fokus betroffen ist, geht es um einen Prozess, den du mit dem Stellen der Weichen in Gang setzt. So schaffst du die Gegebenheiten, dein Business und deine Ressourcen in Richtung des Vorhabens zu lenken.

Es geht also nicht rein ums Treffen einer Entscheidung, sondern darum, ins Handeln zu kommen. Ein Termin ist dabei von unschätzbarem Wert.

  • Wenn ich es hasse, dass ich von zwei Auftraggebern abhängig bin, die noch dazu nicht besonders gut bezahlen, aber trotzdem einfach immer so weitermache wie bisher, komme ich aus dieser Abhängigkeit nicht raus. Denn es gibt keinen Ersatz.
  • Wenn ich mir immer wieder sage „Ich will irgendwann mal ein Buch schreiben“, es aber dann beim Irgendwannmal belasse. ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Jahre verstreichen, sehr groß. Statt dessen ist es viel zielführender zu überlegen: „Wenn ich in zwei Jahren mein Buch im Handel sehen will, was brauche ich bis dahin?“ – Dann ergeben sich konkrete Weichensteller-Entscheidungen, was sich bis dahin tun muss, damit andere mein Buch in zwei Jahren kaufen können.

Ich weiß: Das ist uns allen klar. Zumindest in der Theorie. Und doch schadet es nicht, die großen und kleinen Ziele – oder Unzufriedenheiten – gründlich abzuklopfen:

Was kann weg? Manche Ziele sind veraltet oder einfach grad nicht aktuell, weil es andere Prioritäten gibt. Auch diese Erkenntnis stellt eine wichtige Weiche! Ganz besonders, wenn es etwas ist, woran du in den letzten Jahren nebenbei immer wieder mal gearbeitet, vielleicht sogar Geld dafür ausgegeben hast.

Wie wichtig + dringend ist das für mich? Manche Ziele sind untergeordnet und können ein Mach-ich-vielleicht-mal-Dasein fristen. Doch andere Vorhaben liegen einem sehr am Herzen … oder es ist vielleicht irgendwo die Kacke am Dampfen, so dass jetzt schleunigst mal erste Aktion in ihre Richtung passieren muss.

Der Vorteil an gestellten Weichen ist, dass sie ein Schritt nach vorne sind. Das gibt ganz anderen Drive: Es bringt neuen Antrieb statt gleichem Trott.

Eine Weiche bedeutet Vorlauf

Weichen stellen heißt gerade nicht, dass etwas ad-hoc geschehen muss. Es ist ein Wegbereiten. Ich kann mein Business realistisch umleiten – je nach Ziel ist es eine bedeutende Weiche, die bereits so richtig Fahrt zum Ziel aufnimmt. Es ist aber vielleicht die erste von zahlreichen kleineren Weichen. Ein Grund mehr, warum es ein Datum geben muss … Denn der Alltag schlägt gnadenlos zu und reißt uns in die Routine. Dann wunderen wir uns, warum schon wieder ein Jahr rum und nichts passiert ist.