Lesefluss

Einschübe

zwei Schafe, dazwischen ein Pfosten

Da ist es mir selbst wieder passiert:

Einen Tweet kann man nachträglich nicht editieren, doch wenn mir so ein Satz in einem Blogtext oder einer E-Mail rausrutscht, dann würde ich ihn im Feintuning umstellen:

… uhoh, meine Aufkleber gehen aus (lege ich immer den Rechnungen bei)! Flugs bei @MOO_Germany neue bestellt …

Im Feintuning lohnt es sich, auf Einschübe zu achten:

Braucht es den Einschub überhaupt?

Einschübe, die einen etwas anderen Aspekt, einen Gedanken oder Kommentar beinhalten, sind zwar nicht notwendig, denn der Satz funktioniert ohne genauso. Und doch haben Einschübe ihre Berechtigung. Dosiert eingesetzt, können sie Inhalte unterfüttern oder einfach für etwas Lebendigkeit sorgen. Gerade wenn du im Plauderton schreibst, also locker mit deinen LeserInnen sprichst.

Bei folgendem Satz aus einem meiner letzten Texte, würde ich nachträglich auf den Einschub verzichten, weil der Satz ohnehin schon so vollgepfropft ist:

Eine Empfehlung kann goldrichtig sein, doch wenn es etwas ist, das Aufwand bedeutet, es eine Hürde gibt oder sich anfangs nicht so gut anfühlt, macht mans häufig doch nicht (oder nur halbherzig).

Eine Empfehlung kann goldrichtig sein, doch wenn es etwas ist, das Aufwand bedeutet, es eine Hürde gibt oder sich anfangs nicht so gut anfühlt, macht mans häufig doch nicht.

Tipp: Lies den Satz am besten laut – einmal mit und einmal ohne.

Ist es sinnvoller, stattdessen einen eigenen Satz zu machen?

Besonders, wenn du das Quick & Dirty beherzigst, entstehen solche Einschübe durch spontane Gedanken.

Je nach Kontext und dem, was du sagen willst, kann es besser sein, den Inhalt separat zu stellen. Vielleicht ist es sogar nützlich, einen Zwei- oder Dreizeiler daraus zu machen. Im nächsten Beispiel wird sehr schön deutlich, dass es die Klammern gar nicht braucht:

Noch vor einiger Zeit waren es nur wenige Branchen, wo man als potenzieller Kunde direkt geduzt wurde (hippe Startups und besonders Webdesigner machen das schon seit geraumer Zeit).

Noch vor einiger Zeit waren es nur wenige Branchen, wo man als potenzieller Kunde direkt geduzt wurde. Hippe Startups und besonders Webdesigner machen das schon seit geraumer Zeit.

Bist du jemand, der gerne lange Sätze macht, dann pass bitte ganz besonders auf! Denn dann werden Infos oft zu sehr ineinander verschachtelt. Es gibt Leute, die sind stolz drauf, dass sie komplizierte, in sich stimmige Konstrukte schaffen – und ja, meine Hochachtung! 🙂 Doch die Fähigkeit, extra lange Sätze zu „können“, ist für den Lesefluss leider nachteilig.

= Wir wollen es den Hirnen unserer Leser immer leicht machen, zu verstehen. Häufige Klammern, verschlungene Sätze, etc. brauchen mehr Anstrengung. Oft muss man stocken und nochmal lesen, um alles zu verstehen. Selbst, wenn dein Satz gut lesbar ist, ist es schwierig, verschiedene Informationen gleichzeitig aufzunehmen. Darum löse Einschübe ruhig einfach mal auf und mach eigene Sätze draus.

Gibts im Text zu viele davon?

Alles, was zu oft in einem Text auftritt, sollte deine Feintuning-Antennen aktivieren. Über Häufungen habe ich schon öfter geschrieben:

Aus Macken was machen – Häufungen

Ist eine andere Form für den Einschub besser?

Der letzte Punkt ist die Form: Vielleicht setzt du gewohnheitsmäßig viel in Klammern oder nutzt andauernd drei Punkte.

Es kann die Lesbarkeit steigern, das Satzzeichen zu ändern:

Diejenigen, die mit dem Überarbeiten so ihre liebe Not haben (oder es hassen wie die Pest), wissen schon, dass sie hier enorm Zeit lassen.

Diejenigen, die mit dem Überarbeiten so ihre liebe Not haben – oder es hassen wie die Pest -, wissen schon, dass sie hier enorm Zeit lassen.

Diejenigen, die mit dem Überarbeiten so ihre liebe Not haben … oder es hassen wie die Pest …, wissen schon, dass sie hier enorm Zeit lassen.

Mach keine Wissenschaft draus!

Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass das alles in eine bestimmte Richtung korrigiert werden sollte. Das da oben sind alles eigene Beispiele aus Blogartikeln, die wunderbar so stehenbleiben können.

Wenn du so schreibst, wie du sprichst, kommt es mitunter zu Querschlägergedanken. Und vielleicht gehören solche Zwischengedanken, wie bei mir, zu deinem Stil.

Stil wollen wir nie plattmachen.

Dennoch ist es gut, Aufmerksamkeit zu entwickeln, wo es etwas zu polieren gibt. Gerade das Platzieren eines Einschubes, wie ganz am Anfang gezeigt, trägt zum flüssigeren Lesen bei. Und zum Verstehen.