formulieren

Kraftvollere Wörter „einwechseln“

Baumstämme

Ein weiteres Detail, mit dem du jeden Text aufmöbelst: In der Feintuningphase aussagestärkere, lebendige Wörter wählen.

Wohlgemerkt geht es gerade nicht darum, dass du von vornherein superobertoll schreibst. Denn wenn wir an jedem Satz rumfeilen, großartig überlegen und ihn schon während des Schreibens besser machen wollen, verhindern wir das Flutschen. Dann dauert alles länger, vor allem leidet durch stockendes Schreiben der Lesefluss.

Trau dich also, den Entwurf ganz unperfekt runterzuhacken – eben quick & dirty.

Den fertigen, schmutzigen Entwurf prüfst du zunächst inhaltlich und danach geht es ans sprachliche Polieren. Hier kommen unter anderem die kraftvollen Wörter ins Spiel.

Was will ich genau ausdrücken?

Wir haben alle einen begrenzten aktiven Wortschatz. Gerade, wenn wir eine bestimmte Art von Text gewöhnt sind, schleichen sich manchmal sogar unbemerkt recht sperrige Formulierungen ein. Oft drücken wir uns recht neutral aus. Damit meine ich nicht nur Universalwörter, wie „machen“, „haben“, etc. – Es geht mir auch um die Nuancen eines Begriffs.

Ein klassisches Beispiel, das ich im Blog öfter mal erwähne, ist ÄRGERN. Das kann enorm viele Abstufungen haben:

  • etwas irritiert mich,
  • geht mir auf den Keks,
  • kratzt an meinen Nerven,
  • bringt mich zur Weißglut,
  • lässt mein Gehirn explodieren,

Die Feintuningphase ist dazu da, alles auf ein lebendigeres Level zu heben. Einfach so, ohne eine Wissenschaft daraus zu machen. Frag dich einfach: „Wie kann ich das, was ich sagen will, noch anschaulicher machen?“

zum Beispiel

  • Mach dir da mal keinen Kopf!
    Zerbrich dir da mal nicht den Kopf!
  • Es ist vorteilhaft, den Entwurf in den PC zu übertragen.
    Es ist vorteilhaft, den Entwurf abzutippen.
  • Seit zwanzig Minuten warte ich bei der Hotline. Als sich endlich ein Sachbearbeiter meldet, bin ich verärgert.
    Seit zwanzig Minuten hänge ich in der Hotline. Als endlich wer dran ist, bin ich auf 180.
  • Es gibt „Ratgeber-Junkies“, die ständig Infos und Tipps lesen, aber nichts umsetzen.
    Es gibt „Ratgeber-Junkies“, die reihenweise Infos und Tipps lesen, aber nie was tun.
    Es gibt „Ratgeber-Junkies“, die sich endlos Infos und Tipps reinziehen, aber nicht ins Tun kommen.
  • Dann hat er mir wütend den Vorgang zurückgegeben.
    Dann hat er mir den Vorgang auf den Schreibtisch geknallt.
  • Das ist wirklich ärgerlich.
    Das ist zum Haare raufen!
  • Sie hat das Auto gründlich von Dreck befreit.
    Sie hat erst mal den ganzen Müll aus dem Auto geklaubt und richtig durchgesaugt.
  • Dreisatz kann ich bis heute nicht.
    Dreisatz hab ich bis heute nicht kapiert.
    Dreisatz krieg ich partout nicht in meinen Schädel.

Ich habe absichtlich Beispiele genommen, die recht nah am Originalsatz waren. Es geht nicht darum, den ganzen Satz auszutauschen, selbst wenn du alles insgesamt ganz anders ausdrücken könntest. Es geht lediglich um die Gewohnheit, etwas Vorhandenes spontan ausdrucksstärker zu machen.

Ganz nebenbei erweiterst du deinen aktiven Wortschatz. Du wirst staunen, wie nach und nach bereits in deinen Entwürfen sehr viel mehr Leben ist.