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Phrasen als Schreibschatz

kalter Kaffee: Synonyme

Phrasen sind ein großartiges Sprungbrett für Texte aller Art – ob Fachartikel für Zeitschriften, Blog- und Newsletterbeiträge, Bücher, Selbstlernkurse, … sie bieten sogar besonders zugkräftige Aufhänger für Vorträge und Seminare (gar nicht mal nur schriftlich).

Du kannst deine Zielgruppe gerade hier vielfältig packen, nämlich bei:

  • Pauschalaussagen
  • Mythen und Irrtümern
  • alten Zöpfen
  • Schubladen, in denen sie sich und andere stecken
  • einseitiger Sicht, dem Ausblenden weiterer Aspekte
  • Barrieren, die sie zwischen sich und Vorhaben bzw. anderen Menschen, bauen
  • Denk- und Verhaltensweisen, die durch derlei Überzeugungen geschürt bzw. verhindert werden

Phrasen beinhalten immer vermeintliche Weis- oder Wahrheiten, die zu wenig wahrgenommen werden oder denen zu viel Gewicht beigemessen wird. Sie werden so oft benutzt, dass sie mitunter als Gegebenheiten gelten, die immer weiter zementiert werden oder dass sie schlichtweg an Bedeutung verlieren, auch wenn Wertvolles drinsteckt.

Alleine die Tatsache, dass du sowas hinterfragst, näher hinschaust und die Leser dafür sensibilisierst, birgt extrem viel Potenzial für handfesten Nutzen. Und gerade, weil du an einer allgegenwärtigen Phrase andockst, kann der Leser besonders viel damit anfangen.

Hier ein paar Themenansätze:

Knöpf dir eine Phrase vor, die du in deinem Bereich immer wieder hörst. Das kann ein geflügeltes Wort sein, das bis zum Erbrechen zitiert wird. Oder es ist einfach eine Floskel, die eher gedankenlos von allen als vermeintliche Tatsache angenommen wurde.

z. B.

Redewendungen: Der Kunde ist König – Die Zeit heilt alle Wunden – Du musst es nur wollen! – Der Weg ist das Ziel – Dem Mutigen gehört die Welt! – …

Verhaltensempfehlungen: Wenn du dich nicht selbst liebst, können dich andere auch nicht lieben – Du musst für was brennen! – Ein Schritt nach dem anderen – Raus aus der Komfortzone! – …

Worthülsen/Lippenbekenntnisse, die in deinem Bereich überstrapaziert werden: Der Mensch im Mittelpunkt – Innovationen – proaktiv – Ihre Meinung ist uns wichtig – ganzheitlich – Teamplayer – alles in Maßen – …

 

Bestimmt fallen dir eh schon jede Menge Phrasen ein, die dich anpieksen oder dazu bringen, den Kopf an die Tischplatte zu hauen. – Aber Achtung, Phrasen sind nie nur negativ! Interessant sind natürlich die, wo du sagst „Das mag eine Phrase sein, aber ich finde sie total super“ oder „Ich nutze das Wort total oft und gerne (selbst, wenn andere es als Floskel sehen)“.

Wenn du keine Beziehung zur Phrase hast, macht das übrigens gar nichts. Es ist sehr erhellend, sich als Fachkraft näher mit Floskeln auseinanderzusetzen, besonders mit denen, die du selbst ständig verwendest, ohne sie bisher hinterfragt zu haben.

siehe: Buzzwords aufsprengen

Du kannst vielseitige Artikel draus basteln

… sprich, du nimmst deine Ansicht dazu als Startpunkt und dröselst die Begründung auf. Je nachdem, wie du darüber denkst, ist das:

  • Klingt platt, stimmt aber. Für die Leser näher hinschauen, was da Wertvolles drinsteckt.
  • „Ja, aber …“ – Da steckt ein wahrer Kern drin, aber dann kommt eine Einschränkung, etwa wenn du das Gefühl hast, da wird etwas nicht oder zu wenig wahrgenommen/berücksichtigt.
  • So wird ein Schuh draus! – Manche Phrasen müssen deiner Meinung nach vielleicht umgekrempelt oder im Doppelpack mit einer anderen Phrase betrachtet/beherzigt werden.
  • Das ist Bullshit, weil … – Du begründest, warum genau das aus deiner Sicht Quatsch mit Soße ist (vielleicht sogar hinderlich oder gefährlich).

 

Standpunktartikel werden besonders gut, wenn du auslotest, was das genau mit dir macht.

Manches macht uns fuchsteufelswild, über anderes lachen wir hysterisch, …

Ein Meinungstext sollte immer entsprechend gefärbt sein. Ein Standpunkt ist immer mit einem Gefühl verknüpft. 

 

Was Interaktives, mit dem sich der Leser spielen kann

Es muss nicht immer ein normaler Artikel sein, du kannst ein Frage-Antwort-Format wählen (ein Interview mit dir selbst oder „häufige Fragen zu“) . Oder eine kreativere Spielart: Formulare bringen Leser ins Tun – Wie immer gilt: Schreiben ist Freiheit! Du kannst machen was dir einfällt.

z. B.

  • Ein Bullshit-Bingo [Wikipedia-Erklärung]
  • Eine Einladung zum Phrasendreschen: Du machst eine Liste typischer Floskeln zu einer bestimmten Sache/Situation oder Verhaltensweise und lädst die Leser ein, zu ergänzen (nur für sich selbst, als Blogparade oder in den Kommentaren).
  • Eine Typologie ausdenken. Entweder „Typen, die … sagen, sagen/machen auch …“ oder eine Typologie zu einer bestimmten Personengruppe, der jeweils eine Phrase zugeordnet wird.

Sowas wird in Social Media besonders gern geteilt. 

Der Clou: Differenziert begründen!

Bei Phrasen geht es immer darum, dass sie zu wenig oder gar nicht mehr hinterfragt werden. Sie sind einfach dahingesagt.

Ob du korrigierst oder ob du deinen Lesern aufzeigst, dass vermeintliche Binsensweisheiten gar nicht so selbstverständlich sind, weil sie tatsächlich viel zu wenig im Alltag eingesetzt werden …: Erst mit aufgedröselten Argumenten öffnest du deiner Zielgruppe die Augen!

Das ist anspruchsvoller, als viele meinen. Genau da, beim differenzierteren Hinsehen, wird es spannend. Auch für uns Fachleute.

PS: „Phrasen hinterfragen/aufspießen“ kann ein wiederkehrendes Blogformat sein.