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Großzügigkeit beim Schreiben

Margerite

Was will sie jetzt?

Das:

Großzügig Know-how verschenken

Wer bloggt, eifrig Tipps und Infos über Facebook & Co. verbreitet, einen Newsletter verschickt, Bücher oder Selbstlernkurse verkauft, muss nützen.

Je mehr dein Text den Lesern nützt, desto mehr nützt er dir.

Meiner Erfahrung nach gibt es hier zwei Lager: Die einen halten absichtlich Wissen zurück, weil sie denken „Ich verschenk doch nicht einfach alles! Die Leute sollen ja bei mir kaufen.“ – Doch gerade dieses Geizen führt dazu, dass Texte zu sehr an der Oberfläche bleiben:

  • Sie nützen nichts, weil sie im Üblichen versacken.
  • Sie geben durch mangelnde Tiefe nicht genug über die Person hinter der Leistung preis: Wie ist sie? Wie geht sie vor? Was hat sie auf dem Kasten?
  • Schlimmstenfalls kommen Texte mit Heizdeckenwirkung raus: Der Leser wird mit wenig abgespeist und dann direkt auf Kaufleistungen verwiesen.

Das zweite Lager – und dazu gehören die meisten – merkt nicht, dass es zu zugeknöpft ist, oft lauert die Angst vor der Tiefe:

Das Gemeine ist hier: Das Ergebnis ist dasselbe. Denn wenn beim Nutzen Ebbe herrscht, dann beinhalten deine Texte weder Substanz, noch eine eindeutige eigene Wirkung, die zu Aufträgen führen wird. Und Aufträge sind der Grund, warum wir uns so viel Arbeit mit dem Schreiben machen.

Großzügigkeit, unseren Lesern wirklich etwas Handfestes zu schenken, gehört dazu. Nur dann erleben potenzielle Kunden dich und das, was du empfiehlst: Sie merken in ihrem Alltag einen Unterschied. Offenbar lohnt es sich, dich zu beauftragen.

In diesen Zusammenhang gehört die Erinnerung, nicht mit Informationen zu geizen. Gerade mit denen, die für uns selbstverständlich sind. Ich habe als Kundin beispielsweise schon öfter eine Adresse nicht gefunden, weil vor Ort entweder nicht ordentlich ausgeschildert war oder der Eingang versteckt in irgendeinem Hinterhof ist. Die Leute selbst merken das gar nicht, weil sie ja wissen, wo ihr Büro ist. Mit einer Info vorab („Eingang über den Innenhof, rechts neben dem roten Gitter“) wäre sofort Klarheit geschaffen. – Oder nehmt die Fehlermeldungen bei Online-Formularen: Wie ein Depp muss man oft zig mal rumprobieren, nur weil eine neutrales „Fehler“ dasteht oder „Error 325 in Zeile 84“. Ein paar mehr Informationen sorgen für weniger Frust und dafür, dass Kunden bei der Stange bleiben.

Eine Haltung haben, aber eine großzügige

Das Interessanteste an einem Text ist, wenn du als AutorIn sichtbar wirst: Niemand braucht neutrale Informationen, die eh schon überall stehen. Spannend wird es, wenn du einen Standpunkt hast – wenn deine Texte darauf basieren, wie du als Mensch dazu stehst.

Allerdings geht es gleichzeitig darum, andere Sichtweisen gelten zu lassen. Das heißt nicht, dass du sie gutheißen musst. Doch bei vielen Themen erreichst du deine Leser nur dann, wenn du einen ausgewogenen Blick hast.

Das gilt besonders für die polarisierenden, aufgeladenen Themen – Gesundheit, Ernährung sind da immer besonders weit vorne. 😉 Wer hier nur die eigene Sicht sieht und alles andere abtut oder sogar offen schlecht redet, der erweist sich einen Bärendienst. Nicht nur, was das Schreiben angeht, sondern es züchtet außerdem Scheuklappen.

Übrigens gilt das besonders für Social Media. Ich reibe mir mitunter ungläubig die Augen, wie sich manche Leute per Tweet oder Blogkommentar gebären. Einen klaren Standpunkt zu haben, ist total wichtig. Großzügig zuzuhören und sich die Mühe machen, andere Meinungen zu verstehen, um darauf eingehen zu können, gehört zum Schreiben dazu. Ich muss nicht alles gut finden, und glaubt mir: Natürlich gibt es für mich ganz genauso Ansichten, wo es mir das Hirn raushaut (was anderen mit meinen auch so geht!), doch Großzügigkeit heißt: Ich bin mir dessen bewusst, dass andere Menschen ihre eigenen Meinungen, Erfahrungen und Persönlichkeit haben.

Wer sich ein Stück weit darauf einlässt, wird bereichert und kann auf ganz andere Weise durchaus gegenreden, wenn es denn gerade wichtig ist.

Natürlich ist die eigene Meinung immer richtig, hat sich bewährt. Jedoch sind wir nicht das Maß aller Dinge.

Großzügig im Repertoire

Wer noch nicht so die Schreibroutine hat, der kämpft sich meistens eher so neutral durch. Denn es ist schon fordernd genug, überhaupt was in die Tasten zu hauen – da ist es mit Flüssigkeit und eigenem Stil noch nicht weit her. Völlig normal am Anfang! Genau wie beim klassischen Beispiel des Autofahrens: Das Hirn hat anfangs genug damit zu tun, an alles zu denken und es rechtzeitig auszuführen. Sobald es sitzt, brauchen wir nicht mehr daran zu denken.

Wenn die Sicherheit da ist und du genug Übung hast, dann funken allerdings die Kehrseiten der Routine rein: Wir werden enger. Es entwickelt sich ein „Go-To-Stil“, Artikel werden immer gleich aufgebaut. Erfahrungen werden auf die gleiche Art aufbereitet. Vorteilhaft ist: Es geht immer schneller und wenn alles gut läuft, kommen super Texte raus.

Mit der Zeit sind das allerdings Texte mit Déjà-vu. Das merken nicht nur die Leser. Das Schreiben ist irgendwann nicht mal mehr für einen selbst spannend.

Hier kommt erneut die Großzügigkeit ins Spiel: Sich in alle Richtungen ausprobieren dürfen, um die Betten aufzuschütteln. Verschiedene Schreibarten und –elemente einzubringen oder zu kombinieren.

Und den Umfang variieren:

Großzügig mit dir selbst sein

Beim Schreiben ist zudem wichtig, nicht kleinlich bei sich selbst zu sein. Es macht mich immer ein wenig traurig, wie überkritisch viele mit sich sind. Wie viele Texte viel zu viel Energie fressen und oft nicht mal veröffentlicht werden.

Oder Leute bloggen was und sagen mir hinterher „den Text finde ich total langweilig, aber ich hab ihn halt trotzdem aufs Blog gestellt“.

Gerade, wenn du dich ausprobierst und mal was Neues machst, ist es wichtig großzügig zu dir zu sein. Ein ganz zentraler Aspekt dafür ist das Quick & Dirty, das ich meinen Kunden immer besonders eintrichtere.

Wer beim Schreiben immer schon perfekt sein will und an sich rumkrittelt und drei Sätze hinschreibt, anschließend daran rumkorrigiert und schließlich zwei davon wieder löscht, der kommt nie voran. Noch schlimmer ist aber, dass mit sowas jede Schreibfreude und Flüssigkeit verhindert wird.

Geiz ist nur bei der Zeit gut.

Zeit ist wirklich der einzige Aspekt beim Schreiben, bei dem du niemals großzügig sein solltest! Sobald du über etwas schreibst, in dem du sattelfest bist, gibt es keinen Grund, stundenlang an etwas rumzumachen. Schreib nie mit „open end“. Begrenz dir immer die Zeit für einzelne Etappen.