Deine Leser

Absichtlich Leute wegfiltern

Flugzeug am Himmel

Selbstständige, die ihr Business präsentieren, die bloggen oder einen Newsletter schreiben, tun das mit bestimmten Zielen.

Gerne wird in diesem Zusammenhang darüber geredet, dass man die richtigen Leute anzieht. Die Leser, die der angestrebten Zielgruppe entsprechen – und die dann, wenn sie zu Kunden werden, so sind, wie wir Selbstständigen sie uns wünschen. Was dabei fast immer ausgeklammert wird, ist das bewusste Wegfiltern.

Dabei gehört zu einem gezielten Ansprechen der absolute Klartext. Und der filtert zwangsläufig weg.

Wodurch?

Durch echte Sprache

Ein Appell, den ich in meinem Alltag unablässig wiederhole: „Schreibs mal nur von dir an mich, frisch von der Leber weg. Nix hübsch formulieren, sondern ganz [ulrikig/matthiasig/…].“

Dahinter steckt einerseits, dass Gedanken frischer und spontaner aus dem Kopf geholt werden, was schneller geht. Andererseits, und das ist noch viel wichtiger: Die Schreibe hat plötzlich Persönlichkeit.

Fast jeder drückt sich schriftlich gestelzter aus. Die meisten werden recht neutral und produzieren dadurch austauschbare Texte. Die anderen werden richtiggehend distanziert, entfernen sich also von sich selbst und ganz gewaltig von denen, die sie erreichen möchten.

Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die Persönlichkeit stärker rauszukitzeln – und anschließend aufzupassen, dass sie nicht später wieder plattgemacht wird.

Jeder von uns hat seine Eigenarten.

Zur echten Sprache gehört,

… klar zu sagen, was du sagen willst [Standpunkt zeigen], und es auf eine Art zu tun, die dir entspricht. Stell dir vor, wir sperren fünfzig Coaches in einen Raum und sagen, sie sollen ihre Meinung zu „der Weg ist das Ziel“ sagen. Dann werden die sich nicht nur darin unterscheiden, dass sie der Aussage zustimmen, ihr widersprechen, sie einschränken oder ergänzen. Sie werden sich unterschiedlich anhören. Manche vehementer oder radikaler, andere vorsichtiger, verbindenender, etc. Wer normal redet, bleibt seiner Art, zu sprechen, treu. Dadurch unterscheiden wir uns von anderen Anbietern.

… dass ich mich so ausdrücke, wie es meiner Persönlichkeit entspricht. z. B.: Eine Controllerin, der die Menschen im Unternehmen sehr wichtig sind, schreibt sehr persönlich, ja fast herzlich, um einen Kontrapunkt zur nüchternen Finanzsprache zu setzen.

Durch eigensinnige Schwerpunkte

Ich nenne das jetzt absichtlich „eigensinnig“ und meine sowohl Schwerpunkte, die uns selbst einfach extrem wichtig sind – und die wir sinnvoll finden.

Vor einigen Jahren hatte ich eine Heilpraktikerin im Workshop, die auf ihrer Website stehen hatte, dass sie mit ihren Kunden betet.

Das ist ein klarer Filter: Manche zieht das Beten gerade an. Anderen ist es egal. Aber wieder andere filtert es weg. Diese Heilpraktikerin sagte: Beten ist für mich ein ganz zentraler Aspekt meiner Arbeit. Es ist mir sehr wichtig, ich weiß, dass es nützt. Darum will ich es so klar aussprechen.

Ich hatte allerdings schon viele Kunden, denen derlei Filter nicht bewusst waren. Die etwa mit vielen verschiedenen Methoden arbeiten, und die sich nicht auf eine bestimmte Sache festlegen lassen möchten. Erst recht nicht, wenn eine Methode mit einer Schublade einhergeht oder gar polarisiert.

Das Wichtige an Filtern ist, dass wir uns ihrer bewusst sind. Dann können wir sie gezielt setzen – oder merken, wenn wir sie unbeabsichtigt eingebaut haben.

Brechen mit typischen Konventionen

In jedem Bereich gibt es Erwartungen und Tendenzen. Gerade bei der Selbstdarstellung fällt mir erschreckend oft auf, dass EinzelunternehmerInnen sich „einordnen“, obwohl sie das gar nicht wollen.

Nehmen wir mal die Optik. Sehr viele entspannungsnahe Berufe haben Wassertropfen, Kerzen und warme Farben auf ihrer Website. Mal abgesehen davon, dass das durchaus zu Austauschbarkeit führen kann: Wenn es der eigenen Persönlichkeit und dem, wie man wirken möchte, voll entspricht = wunderbar!

In mittlerweile zwanzig Jahren Selbstständigkeit habe ich jedoch genug Leute getroffen, die sich selbst in dieser Richtung überhaupt nicht treu waren. Sondern sie haben sich gerade bei der Selbstdarstellung an dem orientiert, was andere machen.

Ich meine nicht nur die Optik. Ich meine,

  • welche Leistungen du anbietest,
  • wie sie klingen,
  • und ob du darauf achtest, dass deine Art + Herangehensweise durchkommt, ganz besonders wenn du den allgemein üblichen Erwartungen deiner Branche oder deines Berufsstandes widersprichst.

z. B.

Eine Kommunikationstrainerin spricht betont umgangssprachlich, weil ihr Echtheit sehr wichtig ist und sie nicht mit einer glatten Rhetoriktrainerin verwechselt werden will.

Ein Yogalehrer will nicht automatisch als spirituell angesehen werden, sondern gleich klarmachen, dass er nicht auf Omm, sondern nur den sportlichen Aspekt Wert legt.

Wer klar Stellung bezieht, filtert automatisch

Alles, was du als EinzelunternehmerIn schriftlich rausgibst, soll deinen Stempel tragen. Je mehr deine Texte das tun, desto mehr ziehst du einen Teil an und filterst einen anderen Teil aus.

Je weniger Filterqualität drin ist, desto neutraler sind deine Texte. Und das ist ein Eigentor! Denn ein neutraler Text, der oft ganz bewusst so geschrieben ist, dass er es allen recht macht, vergibt immer Chancen.

  • Es fällt potenziellen Kunden schwer, zu entscheiden, ob deine Art und Herangehensweise für sie passt.
  • Mit neutralen Texten bleibt es immer Glückssache, ob die Leute, die Kunden werden, so sind, wie du dir das wünschst.

Farbe bekennen lohnt sich immer. – Das merken wir umgekehrt am besten, wenn uns jemand mit seinen Texten erreicht. Wenn wir mehr lesen wollen, einen Newsletter abonnieren, jemanden bookmarken … oder sogar direkt anfragen, weil die Person uns liegt, auf jeden Fall interessanter ist als die vielen Texte, die täglich an uns vorbeirauschen.