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Fragen (3): Das „Eigen-Interview“

Eine verwandte Spielart ist das Interview. An dieser Stelle geht es mir allerdings nicht darum, andere zu interviewen, sondern darum, wie du einen Text mit eigenen Fragen-Antworten bestückst:

Beides sind lebendige Artikel-Formen, die dich an deine eigene Sprache [„Plauderton“] bringen, wenn du es wirklich wie ein Interview mit dir selbst betrachtest, also in einem schön natürlichen O-Ton bleibst, schnörkellos und direkt Antworten gibst.

Beim Prinzip „eigenes Interview“ musst du nur aufpassen, dass du nicht zu ich-bezogen wirst, was Blickwinkel und Sprache angeht – also vor allem die Fragen immer schön konkret und planktonig aus Leserperspektive formulieren. Damit machst du sie automatisch klein genug, um sie auf wenig Platz nützlich zu beantworten.

Da ich hier im Blog schon einige Male über Meinungstexte und den Standpunkt geschrieben habe, nehme ich heute das „Wie mache ichs?“ als Beispiel.

„Wie mache ichs?“ – Einblick geben, aus deinem Nähkästchen plaudern

Ich blogge ja seit vielen Jahren auf diversen Websites und kann dir aus Erfahrung sagen, dass besonders die Artikel gut ankommen, bei denen ich meine Leser durchs Schlüsselloch schauen lasse. Das liegt einerseits natürlich am Praxis-Faktor: Es werden nicht einfach Informationen rübergeschoben oder Tipps rausgehauen, sondern da sagt die Fachkraft mal, wie sie selbst mit Dingen umgeht oder sich organisiert.

Zum anderen ist es so, dass persönlichere Texte, die deinen Lesern nützen, ein besonderes Band zueinander schaffen.  Diese persönliche Verbindung führt dazu, dass die Leser das Gefühl haben, dass du ihnen vertraut bist. Sie sind interessiert und neugierig – auch auf dich als Person.

Beispiele für Plankton-Arbeitstitel:

  • So organisiere ich mich, um regelmäßig zu bloggen
  • Wie ich mein Lampenfieber besiegt habe
  • Schlechte Gewohnheiten ablegen – so klappts bei mir – mal mehr, mal weniger.

Das Schöne an solchen Einblicken ist, dass sie echt sind. Und „echt“ bedeutet, dass wir – je nach Thema, eigener Persönlichkeit und Lebensumständen – manche Dinge total im Griff haben, mit anderen kämpfen oder gelegentlich schludern. Diese Echtheit ist bei  Texten enorm wichtig. Denn sie stärkt deine Glaubwürdigkeit und zeigt deinen Lesern, dass du ein ganz normaler Mensch bist – und kein perfekter Experte, dem alles immer gelingt, der ihnen praktisch vom Perfektionssockel sagt, was sie zu tun haben.

Bei eigenen Unsicherheiten und Makeln gilt, dass du fest im Blick behältst, dass du EinzelunternehmerIn bist und automatisch immer deine Leistungen repräsentierst. Beim Zugeben von „negativen“ Dingen gibt es daher Maß und Ziel. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn du etwas, das du deinen Kunden ans Herz legst, selbst nicht immer durchhältst. Aber es kommt schon darauf an, worum es da geht und in welcher Intensität man das in deinem Text wahrnimmt.

Beispiele:

  • Eine Anwältin schreibt, dass sie sich andauernd verzettelt und immer wieder Papiere in falschen Akten wiederfindet, die da gar nicht hingehören. Da kann ich mich vielleicht mit identifizieren, aber wer will so eine Schlampertante als Anwältin haben?
  • Ein Ernährungsberater gibt zu, dass er eine Schwäche für Rotwein und Schokolade hat und regelmäßig über die Stränge schlägt. Das ist etwas, womit sich jeder identifizieren kann. Wenn ansonsten alles Hand und Fuß hat, was unser Ernährungsberater so rät, dann ist dieses Geständnis und wie er damit umgeht, eher etwas, das ihn noch sympathischer und glaubwürdiger macht.

Natürlich gibts da ewig viele Beispiele. Wer regelmäßig schreibt, zum Beispiel im Blog, sollte dosieren, wie oft er Schwächen preisgibt und vor allem, wie die dann im Text eingebunden sind – was das Thema samt Aufhänger angeht (den Plankton-Arbeitstitel). Auch wie du über dich selbst schreibst, spielt eine Rolle.

Es gibt zum Beispiel viele Coaches, die aus eigener Betroffenheit heraus beraten: Auf der einen Seite ist das vorteilhaft, denn wenn man durchgemacht hat, was die Zielgruppe durchmacht, gewinnt man an Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Jetzt kommts aber!

Es gibt Selbstständige, die eine persönliche Erfahrung gemeistert haben. Und es gibt viele Coaches, die noch sehr in eigenen Themen stecken oder gerade erst aus einer Krise kommen. Hat sich das Neue noch nicht gefestigt, wird aktuell noch eine Menge per Text aufgearbeitet. Das, gepaart mit der Zurückhaltung, anderen konkreten Rat zu geben, geht schnell nach hinten los. Doch das ist ein anderes Thema, auf das ich bereits näher eingegangen bin:

Zurück zu unserem Frage-Antwort-Format „Wie mache ichs?“

Wie eben geschildert, hast du in der Konzeption erst den Plankton-Arbeitstitel vor dir. Dann folgt das Konzipieren, innerhalb dessen du u. a. deinen Text anhand von Fragen strukturierst, die du dir im Interview-Stil selbst stellst.

Da das Prinzip klar ist, gehe ich explizit auf den verbreiteten Fehler, sich nicht genug an den Plankton-Arbeitstitel zu halten! Das ist besonders gefährlich, weil du hier ja über eigene Erfahrungen sprichst. Hier gehen die Pferde noch schneller mit einem durch.

Schau dir mal dieses Gerüst an:

So organisiere ich mich, um regelmäßig zu bloggen
Seit über 15 Jahren blogge ich für mein Business. Immer wieder sprechen mich andere Selbstständige an, wie ich das mache:

Wie bist du zum Bloggen gekommen?
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Kennst du Phasen der Lustlosigkeit?
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Hast du immer Ideen für neue Artikel – oder wie kommst du auf Themen?
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Nimmst du dir feste Schreibzeiten vor?
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Welche Priorität hat das Bloggen in deinem Marketing?
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Klingt gut, oder?

IST ABER NICHT DAS THEMA!

Der Plankton-Arbeitstitel heißt „So organisiere ich mich, um regelmäßig zu bloggen“. Es geht einzig und alleine um die Organisation, damit das regelmäßige Bloggen gelingt. Denk dran, warum wir das Plankton brauchen: In der Tiefe steckt der Lesernutzen!

In dem Moment, wo du beim Plankton-Arbeitstitel bleibst, sagst du deinen Lesern sehr viel mehr zu dem Thema, das du ihnen versprochen hast. Was für ein Unterschied:

So organisiere ich mich, um regelmäßig zu bloggen
Seit über 15 Jahren blogge ich regelmäßig für mein Business. Immer wieder sprechen mich andere Selbstständige an, wie ich das mache:

Fangen wir mit den Themen an: Redaktionsplan oder spontan?
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Was machst du, wenn dir nichts einfällt?
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Schreibst du voraus, also hast immer Artikel auf Halde?
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Wie lange brauchst du für einen Artikel + nimmst du dir feste Schreibzeiten vor?
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Wie ist das mit der Recherche?
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Hier bin ich mit den Fragen wirklich bei der Organisation geblieben. Mit den Fragen habe ich gezielt einzelne, typische Aspekte beleuchtet. Damit kann ich mein konkretes Plankton-Thema „Organisation beim Bloggen“ so richtig vertiefen.

„Aber, aber … jetzt wo ich meine obigen Fragen lese, habe ich viel mehr Lust DIE zu beantworten.“ – Tscha. Hättste dir mal früher überlegen sollen!

Im Ernst: Natürlich kannst du in der Konzeption deinen Plankton-Arbeitstitel verändern. Dafür ist die Konzeptionsphase da, dass du noch vor dem Schreiben eine Kurskorrektur machst, wenn du merkst, etwas passt nicht oder es wäre anders viel besser.

Dennoch gilt: Gewöhn dir an, dich bei der Themenwahl möglichst konkret und klar auszudrücken – und dich dran zu halten. Denn dieses ständige Umwerfen verlängert unnötig den Schreibprozess. Den uns niemand bezahlt!

Außerdem verwirrst du dich, wenn du dich nicht an ein Thema hältst sondern immer nur grob ums Thema rumschleichst. Also tu dir den Gefallen und halte dich genau an den Plankton-Arbeitstitel! Keine Sorge: Du kannst interessante Themenaspekte, die dir eingefallen sind ja in weiteren Plankton-Themen separat aufgreifen.

 

 

PS: Wenn du neu im Blog bist, kannst du mit dem Begriff „Plankton“ vielleicht nicht so viel anfangen. Hier habe ich die von mir empfohlenen, bewährten Schreib-Etappen erklärt.