Lesernutzen

Differenziert fragen für mehr Aha!

Kürzlich hatte ich darüber geschrieben, wie du deinen Lesern beim Reflektieren helfen kannst und will noch mal betonen: Je differenzierter deine Fragen sind, desto stärker der Aha-Effekt.

Es ist einfach, irgendwelche Fragen aufzuzählen, doch meist sind solche Leitfragen nicht so hilfreich, wie sie sein könnten.

Dazu kommt das typische Problem: Der Leser ist auf sich alleine gestellt. Er soll sich selbst eine Frage beantworten, aber dann mit der Antwort auch etwas anfangen können.

Damit das geht, ist es wichtig, stärker draufzuhelfen.

Wir müssen wissen, worauf wir rauswollen!

Was manche Selbstständige beim Schreiben völlig außen vorlassen, ist, dass sie den Denkprozess stärker lenken können. Immerhin habe ich ja mit meinem Text ein konkretes Ziel, was der Leser davon hat.

Dazu darf ich mir aber nicht nur irgendwelche Fragen ausdenken, sondern ich muss mir darüber klar werden:

  • Welche Art von Erkenntnissen (worüber) soll der Leser gewinnen?
  • In welcher Verfassung befindet er sich, von seiner Persönlichkeit oder aktuellen Situation her? Denn hier steckt enorm viel drin, das das Nachdenken beeinflusst: Worauf der Leser kommt, wie er etwas sieht und was er für möglich hält.
  • Der Leser ist in der Regel kein Profi. Die allermeisten Menschen haben keine Erfahrung  darin, was wirkliches Reflektieren bedeutet. Sie brauchen mehr Hilfestellung. Das wissen alle, die mit Kunden arbeiten – egal, auf welchem Gebiet: Wir Fachleute fragen immer gezielt nach. Wir führen unsere Kunden zu Antworten, wir haken ein und konkretisieren. Wenn wir nur mit den Antworten, die uns Kunden liefern, arbeiten würden, wären wir aufgeschmissen oder müssten zigmal nacharbeiten, weil wir ins Blaue werkeln.

Diese drei Aspekte gilt es also beim Schreiben zu berücksichtigen. In Newsletter- oder Blogartikeln, die was bringen sollen. Noch viel mehr aber in Ratgebern und Selbstlernkursen.

Leser zum Denken anregen

Reflektieren ist nachdenken, etwas einschätzen, näher ergründen, ausloten – geht es dabei um Hürden oder richtige Probleme, ist es noch komplexer.

Darum versetz dich vor dem Ausdenken von Fragen richtig in die Zielgruppe, ihre aktuelle Situation und das, was du an Erkenntnissen zum Vorschein bringen willst. Dann wirst du nämlich verschiedene Arten von Fragen nutzen:

andenken

Wenn wir dazu anregen, sich, eine Beziehung oder Situation zu überdenken, liegt entweder etwas im Argen, läuft suboptimal oder es soll etwas Bestimmtes erreicht werden. Nun kann der Mensch aber ganz hervorragend verzögern, sich verzetteln oder von vornherein den Wind aus den Segeln nehmen.

Beim ANdenken geht es darum, die Leser zu ermutigen, einfach mal mit einem Gedanken zu spielen. Ohne Perfektionsanspruch, ohne großartige Tiefe und ohne dass irgendeine Form von Entschluss oder Aktion folgen muss. Einfach mal gedanklich heranwagen. sich widersprechen und „spinnen“ dürfen.

durchdenken

Erschreckend viele Menschen schneiden sich praktisch sofort ihre Möglichkeiten ab: „Das geht sowieso nicht“, „Mit X kann man nicht reden“, „Das ist bei meinen Verpflichtungen nicht drin“, „Das kann ich nicht“, „Das Risiko ist zu groß“, „Das macht xy niemals mit“, „Das lohnt nicht“.

Doch wahre Erkenntnisse , mit denen ein Abwägen überhaupt erst möglich ist und sich auch Lösungen abzeichnen können, erfordern ein komplettes Durchdenken – bist zum Ende, aber eben auch in die Breite, was Möglichkeiten angeht.

wegdenken

Eine wahnsinnig nützliche Denkweise wird möglich, indem man bestimmte Aspekte einfach rausnimmt, um den Weg fürs Reflektieren wirklich freizumachen:

  • Wenn das Geld gesichert wäre …
  • Wenn außer dir niemand betroffen wäre …
  • Wenn du keine Angst vor der Reaktion des anderen hättest …

In der Regel wissen wir sehr genau, wo aufgrund der Zielgruppe, ihrer Situation oder der Sache, um die es geht, typische Probleme und Denkhürden liegen. Also räumen wir sie momentan aus dem Weg – nicht, um sie zu ignorieren, sondern um sie erstmal zu parken. Dann überlegt es sich plötzlich viel freier, und das wiederum sorgt für handfeste Denkansätze, die oft sogar Teil-Lösungen mit sich bringen.

überdenken

Ob Manöverkritik, also etwas Geschehenes nochmal Revue passieren zu lassen, oder ob es darum geht, eine Meinung oder Entscheidung zu überdenken – auch das kann ganz verschiedene Qualitäten haben: Ich kann dem Leser etwa beibringen wollen, dass er sich mit einer früheren Entscheidung anfreundet. Es würde aber nichts bringen, wenn ich sage „Ach, du haderst da mit etwas. Lass das bleiben!“

Leite ich ihn hingegen mit konkreten Fragen dazu an, ausgewogen über seine Entscheidung und die jetzigen Gefühle dazu zu reflektieren, wird er durch die Antworten automatisch merken, dass er die Entscheidung aus bestimmten Gründen getroffen hat und dass/was sie ihm gebracht hat.

umdenken

Möchte ich, dass der Leser ein Thema ausgewogener betrachtet oder sich auf eine andere Meinung einlässt, dann bringt es wenig, einfach mit Argumenten zu kommen. Denk an aufwühlende Themen aus Politik, Ernährung, Natur, Gesundheit, und und und.

Hinterfrage ich allerdings einen Standpunkt so, dass sich der Leser in einzelne Aspekte reindenken will, dann bekommen die Erkenntnisse eine andere Qualität. Alleine das Sich-einlassen und das darüber klar werden, wie ich darüber denke, wo ich überhaupt keine rechte eigene Meinung oder Erfahrung habe oder vielleicht noch zu wenig weiß, bringt mich weiter.

Jeder dieser Ansätze hat eine etwas andere Qualität.

Manche sind in Kombination ideal, doch je nach Kontext ist eine spezielle Form goldrichtig. Zum Beispiel kann es hilfreich sein, die Leser nur mal grundsätzlich auf eine gewisse Denkspur zu bringen. Autoren machen gerne Rundumschläge, weil sie denken „viel hilft viel“ = je mehr ich reinbringe, je mehr ich von A bis Z abfrage, desto nützlicher ist es.

Ganz wichtig: Alle Denkarten haben gemein, dass sie differenzierte Fragen brauchen! Es reicht also nicht, hinzuschreiben „denk mal um“, „denk mal was weg“. Wenn du mit einem Text – oder Selbstlernkurs – deinen Leser zu echten Erkenntnissen und Aha-Effekten verhelfen willst, ist das eine anspruchsvollere Angelegenheit, die mehr braucht, als nur ein paar Fragen in den Raum zu stellen.

Das finde ich das Schöne beim Schreiben. Wir lernen, unser Know-how, das wir täglich souverän einsetzen, schriftlich anders und für eine Masse uns unbekannter Leser aufzubreiten. Das ist herausfordernd, doch es bringt mehr. Auch uns selbst, denn nicht nur erleben unsere Kunden direkt, dass unsere Arbeit ihnen nützt – wir merken, wie schlau wir sind, und wie viel mehr wir mit unserem Erfahrungsschatz anfangen können.