Ratgeber schreiben

Du hast ein Ratgeber-Konzept verschickt – was passiert jetzt?

Glühbirnen an der Decke

Es ist aufregend, einen Verlag für eine Buchidee zu suchen.

Doch deine Buchidee muss nicht nur überzeugen. Sie muss – aus Sicht des Verlages – ins bestehende Sortiment passen und der Verlag muss dem Buch zudem Marktchancen ausrechnen. Das ist immer eine individuelle Geschichte:

  • Darüber entscheidet der Mensch, der dein Konzept liest.
  • Und der Verlag, der natürlich klare Pläne hat, welche Themen ihm aktuell für bestimmte Buchreihen fehlen, was sich aus Erfahrung beziehungsweise aus Vertriebssicht verkaufen wird und was aktuell besonders vielversprechend erscheint.

Diese Reaktionen können kommen:

Du bekommst eine Absage.

Tatsache ist, dass Verlagen ständig unzählige Buchideen vorgeschlagen werden, sie aber nur wenige Neuerscheinungen pro Jahr einplanen. Rein rechnerisch ist klar, dass die meisten der eingereichten Buchideen abgesagt werden. Das ist wie bei einer Bewerbung, wo sich Hunderte Leute auf nur eine Stelle bewerben: Fast alle werden eine Absage bekommen, darunter viele supergute.

Es gibt sehr viele Gründe, warum eine Buchidee abgelehnt wird: Einige haben mit dem Verlagsprogramm zu tun, doch oft ist das Konzept nicht verständlich, nicht überzeugend, es ist von der Aufmachung zu wirr oder nicht lesefreundlich. Viele Verlage klagen übrigens darüber, dass sie Buchideen vorgeschlagen bekommen, die überhaupt nicht in ihr Programm passen. Oder der Verlag hat bereits eines oder mehrere Bücher zum selben Thema, doch der Absender des Konzepts hat einfach nicht ordentlich recherchiert.

Ich hatte letztes Jahr eine – wie ich finde – geniale Idee für ein Selbstständigenbuch, die ich einem meiner Verlage vorgestellt habe. Die Idee finden sie gut, aber haben in letzter  Zeit gleich mehrere Bücher für Selbstständige angenommen, sodass sie einfach aktuell für diese Zielgruppe keine weiteren Bücher brauchen.

Und das ist nicht das erste Buch, das nichts geworden ist. Bekommt dein Buch eine oder mehrere Absagen, selbst wenn du eine richtig gute Idee und ein schlüssiges Konzept hast, dann heißt das nicht, dass dein Buch „niemand will“. Es heißt, dass der Verlag, den du da aktuell ansprichst, für sich entscheidet, dass es gar nicht oder derzeit nicht reinpasst.

Kommen mehrere Absagen von verschiedener Seite ist es natürlich eine gute Idee, zu überprüfen, wie du deine Buchidee präsentierst – oder die Grundidee ein wenig anders aufzuziehen. Wer AutorIn werden will, darf nie nach ein- oder zweimaligem Verschicken gleich aufgeben. – Das kennst du aus der Selbstständigkeit ja auch: Nicht alle potenziellen Kunden, denen du deine Leistungen anträgst, schlagen sofort ein. 🙂

Du hörst nichts.

Die meisten Verlage schreiben auf ihrer Website nähere Informationen, in welcher Form sie Buchideen haben wollen und erwähnen Wartezeiten. Manche schreiben, dass eine Antwort soundsolange dauern kann – andere sagen „wenn du X Monate nicht von uns hörst, haben wir kein Interesse“.

Meine Erfahrung und die vieler meiner Kunden ist, dass im Ratgeberbereich bei Nichtinteresse meistens relativ schnell eine Absage kommt. Dauert es etwas länger, dann hängt das damit zusammen, dass die Leute, die die Konzepte lesen, sich um das aktuelle Programm kümmern: Da müssen Manuskripte gelesen werden, Marketing-Entscheidungen getroffen – und dann ist da noch der ganz normale Alltag, der besonders vor, während und nach den zwei bedeutenden Büchermessen im Frühjahr und Herbst extrem voll ist.

In der Regel ist es eine ganz gute Nachricht, wenn nicht total prompt eine Antwort kommt, denn dann kann das auch bedeuten, dass die Idee im Verlag liegt und intern besprochen wird.

Ja, es gibt die Fälle, wo Verlage sich überhaupt nicht melden, u. a. passiert es mitunter, dass ein Konzept untergegangen ist. Letztes Jahr hat sich einer meiner Verlage drei Monate nicht gemeldet – da ich es nicht eilig hatte, habe ich so lange gewartet. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass meine E-Mail nicht angekommen war. Das passiert selten, aber es kann passieren.

Bitte nicht den Verlagen auf die Nerven gehen und sofort oder gar mehrmals nachfragen. Das bitten sich die meisten sowieso auf ihrer Website aus. Zu recht: Stell dir vor, die vielen Leute, die ein Konzept einreichen, würden ständig nachfragen, wie der Stand ist. Das könnte man gar nicht handlen.

Schau also, ob auf der Website was dazu steht, bis wann man sich meldet und gib den Leuten diese Zeitspanne, bevor du nachfragst. Meiner Erfahrung nach kommt meistens eine Antwort.

Du bekommst das Signal, dass sie interessiert sind.

Stellt der Verlag bei deinem Buchkonzept die Ohren auf, kommt in der Regel eine Info, dass sie interessiert sind – teilweise mit einem Zusatz à la „bis zum nächsten Meeting warten, wo neue Ideen besprochen werden“ oder „gerade in den Vorbereitungen zur Messe, darum dauerts noch vier Wochen, bis wir die Programmplanung angehen“.

Es kann sein, dass direkt noch Nachfragen kommen: Weil der Verlag eine Verständnisfrage hat, eine bestimmte Sache vermisst oder sagt „ja, die Idee finden wir grundsätzlich gut, allerdings …“ – womit wir beim Aber sind.

Du bekommst ein „Vielleicht, aber“.

Wie ich meinen Kunden immer sage: Dein Konzept kann rundum super sein – doch der einzelne Verlag wünscht sich vielleicht etwas ein wenig anders.

  • Eben hatte ich bereits erwähnt, dass er etwas vermissen könnte: Vielleicht hat er Zweifel, ob eine bestimmte Zielgruppe wirklich einträglich ist und würde das Buch lieber auf eine andere Zielgruppe fokussiert sehen. Oder es fehlt ihm irgendwas Besonderes, das plakativer ist, um auf dem Buchmarkt aufzufallen.
  • Es kann sein, dass der Verlag einen Teilaspekt deines Buches viel interessanter findet: Dass das, was du in einem bestimmten Kapitel ansprichst oder eine Bemerkung zur Situation der Zielgruppe den Verlag aufhorchen lässt und er sagt: Hey, wie stehst du dazu, zu diesem Aspekt ein Konzept zu machen?
  • Und es kommt vor, dass ein Verlag sagt: Nö, die Buchidee wollen wir nicht, aber wir sehen, dass du Know-how hast zu xyz – hättest du nicht Lust, dazu ein Buch zu schreiben?
Du wirst nach einem Probekapitel gefragt.

Bei einigen Verlagen steht eh dabei, dass sie sich ein Probekapitel wünschen. Ich empfehle meinen Kunden dennoch, nie auf Verdacht ein ganzes Kapitel zu schreiben – denn das kann bedeuten, dass die ganze Arbeit umsonst ist. Besonders, wenn der Verlag noch mal etwas anders haben will oder man später auf Gegebenheiten achten muss, die eine bestimmte Buchreihe erfordert.

Bist du nicht sicher, ob du ein Buch schreiben kannst, ist ein Probekapitel hingegen eine wunderbare Übung bevor du das Konzept verschickst. Einfach damit du merkst, wie es dir damit geht und wie das Ergebnis ist. Denn wenn du einen Vertrag unterschreibst, musst du natürlich liefern können. Ich habe früher, als Bücher noch fest zu meinem Leistungsangebot gehört haben, einige Autoren kurz vor der Deadline gerettet, indem ich ihnen mehrere Kapitel ghostwriten musste, damit sie nicht vertragsbrüchig werden. Ein Buch schreiben ist ein großes Projekt. Wer sowas noch nicht gemacht hat, schätzt sich – und die Zeit! – beim ersten Mal nicht immer realistisch ein.

Hast du dein Konzept ohne Probekapitel eingereicht, wird ein Verlag häufig jetzt nach einem Probekapitel fragen. Das ist nicht immer der Fall, manchmal kommt es direkt zu einer Zusage.

Du bekommst eine Zusage.

Das ist das Ideal! Auch wenn es selten ist, habe ich es bei mir und bei Kunden schon einige Male erlebt, dass praktisch sofort zugesagt wurde.

Oder eben erst der Zwischenbescheid, dass sie interessiert sind und wenn es intern besprochen wurde – was manchmal einige Wochen dauert –, die Zusage kommt.

In diesem Stadium bespricht man noch Details: etwaige Fragen, den Erscheinungs- und Fertigstellungstermin … und dann kommt der Vertrag, den du erst mal feierlich unterschreibst, bevor es ernst wird. 🙂

Wie geht es dir mit dem Verlag?

Bei aller Freude, dass ein Verlag interessiert ist, ist wichtig, wie es dir mit dem Kontakt geht. Immerhin sollst du Vertrauen haben, dich gut aufgehoben fühlen und einen guten Draht zu deinem Ansprechpartner haben. Am Ende soll ein Buch rauskommen, das alle gut finden und mögen.

An dem Spruch „Wenn es schon so anfängt“ ist durchaus was dran. Hast du in dieser Anfangsphase aus irgendwelchen Gründen ein schlechtes Gefühl, dann hör drauf! Ich habe über zwei Dutzend Bücher bei … ich glaube, acht Verlagen veröffentlicht und hatte mit einigen weiteren zu tun, mit denen ich nicht ins Geschäft gekommen bin. Es passiert selten, aber es passiert, dass man von sich aus sagt „nä, das harmoniert nicht“ oder „so, wie die sich verhalten, das gefällt mir nicht“ [Verlagsleuten geht es mitunter mit Autoren natürlich genauso]. Bei einem von vornherein absolut unguten Gefühl ist es besser, sich einen anderen Verlag zu suchen.

zu den Autoren-Interviews