deine Website

Über sich in der dritten Person schreiben

Vorhin bin ich über einen fast zehn Jahre alten, minikurzen Artikel hier im Blog gestolpert: „Soll man von sich in der dritten Person schreiben?“. Da das ein absoluter Dauerbrenner ist, hab ich den alten Beitrag gelöscht und greife die Frage mal differenzierter auf.

Wann es gestelzt klingt:

Wenn es deine eigene Publikation ist, dann wirkt es fast immer merkwürdig, mit vollem Namen über sich zu reden, als wäre es jemand anderes.

Wir sind EinzelunternehmerInnen. Das heißt, dass deine Website, dein Flyer, dein Akquise-Brief, von dir kommt. Stell dir das Ganze übertragen auf ein persönliches Gespräch vor. Ich rede mit jemandem über mich und mein Business und sage: „Gitte Härter bietet Schreibworkshops an. Sie war viele Jahre Sales Managerin in einem internationalen Unternehmen und hat dort Marketing- und Kundentexte geschrieben.“

Je nachdem, was dabeisteht, kann es sogar arrogant klingen – oder wie Satire. Das liegt an der Distanz, die sich beim Schreiben einstellt …

Wann es ungut Distanz reinbringt:

Sprechen wir über uns, retten uns jedoch in ein „man“ oder die dritte Person, verschaffen wir uns Distanz. Das geschieht mitunter ganz bewusst: Wir vermeiden das Ich. Es passiert aber auch unabsichtlich – etwa, wenn du MEINST, du solltest über dich in der dritten Person reden, weil andere es so machen oder weil es im Business so gehört.

Es ist eine Sache, diese Distanz gezielt für sich zu nutzen [dazu komm ich gleich noch]. Was ganz anderes ist es, wenn die Distanz

  • zwischen dich,
  • deine Inhalte
  • und deine Leser

kommt.

Das passiert fast immer, wenn Leute anfangen, aus dem Stegreif über sich in der dritten Person zu schreiben. Probiers aus! Stell dir vor, du schreibst einen Gastartikel für eine Website: Es gibt einen Autorenkasten, der mit deinem vollen Namen beginnt und du hast zwei, drei Zeilen, in denen du etwas über dich sagen darfst. Was steht da?

Die Wahrscheinlichkeit, dass das recht neutral und distanziert ausfällt, ist hoch.

Es gibt aber noch eine weitere Problematik: Gerade weil sich die meisten Leute schwer damit tun, über sich zu schreiben und eher dazu tendieren, ihr  Licht unter den Scheffel zu stellen, verfallen sie beim abgekapselteren In-der-dritte-Person-schreiben mitunter in übertriebene Lobeshymnen. Ganz besonders die eher unsicheren, die meinen, mit Titeln, Ausbildungen oder Auszeichnungen mehr Gewicht reinbringen zu müssen.

Wann es normal ist:

Veröffentlichst du woanders, wirkt die dritte Person natürlich völlig normal. Etwa in einem Vortragsprogramm, auf einem Buch, als Kurzbio unter einem Artikel …

Das kann völlig unterschiedlich klingen:

  • Martin Meier war zwei Jahrzehnte in einem stark wachsenden Finanzkonzern tätig. Zuletzt hat er über Kredite entschieden. Mit seiner Firma FACTS & FIGURES zeigt er Handwerksbetrieben, warum Controlling ein unverzichtbares Steuerungswerkzeug ist.
  • Diplom-Kaufmann Martin Meier ist selbstständiger Finanzbuchhalter und Controller fürs Handwerk. Seine Kunden haben anfangs oft eine Zahlenallergie. Doch die Resultate sprechen für sich.
  • Martin Meier, Controller und Zahlendompteur, sorgt dafür, dass Handwerksbetriebe ihre Finanzen fest im Griff haben. Sein Schwerpunkt: Immer liquide!

Gleicher Mann, unterschiedliche Wirkung!

Eine pfiffige Variante ist es übrigens, zu mixen:

  • Annemarie Huber coacht Trainer, Coaches und Berater: Ich weiß, wie schwierig das Akquirieren fällt. Doch ich weiß auch, wie sich hinderliche Schrauben ganz leicht lösen lassen.
  • „Wer sich nicht verkaufen kann, dem mangelt es an Überzeugungskraft.“ Annemarie Huber coacht Trainer, Coaches und Berater, wenn die Akquise mal wieder zu kurz kommt. Sie kennt ihre Pappenheimer und hat jede Ausrede schon mal gehört.
  • Verkauf dich! Akquise mit Annemarie Huber. Seit 2000 trete ich Trainern, Coaches und Beratern auf die Füße: Nur wer sich aktiv verkauft, hat immer volle Auftragsbücher.

Wann es ein guter Helfer sein kann:

Die Distanz, von der ich oben sprach, kann beim Schreiben allerdings ein exzellenter Helfer sein. Sagen wir, ich möchte mich charakterisieren, aber merke, dass ich mit „Ich …“ einfach blockiert bin, dann helfe ich mir mit „Gitte Härter …“

Was dabei nur wichtig ist: Schreibs nicht hübsch formuliert, sondern der erste Entwurf soll immer unperfekt sein, frisch von der Leber weg – aber aussagekräftig. Gerade wenn du dich anstellst und eher krampfig wirst, wenn es um dich selbst geht: Erlaube dir Umgangssprache, Übertreibungen oder zwischendurch eine Gaudi, so lange es der Wahrheit entspricht! Das macht locker und du kannst später die Rosinen rausholen.

Gitte Härter kann wirklich gut schreiben und beim Strukturieren macht ihr niemand was vor. Sie mag ihre Kunden, aber nur, wenn die ihr eigenes Anliegen auch ernst nehmen. Sie mischt sich gerne ein, hat keine Lust auf Alibi-Aufträge und kitzelt beharrlich die Persönlichkeit und die Absichten ihrer Kunden raus. Dabei hat sie keine Angst, unbequem zu werden, sagt ihren Kunden, was supergut ist, aber nie, um höflich zu sein. Wenn was Scheiße ist, ist es Scheiße.

Schreibe ich das so hin? Nein! Ich trage erst mal für mich die Substanz jenseits der mir eh bekannten Fakten zusammen [was genau mache ich, seit wann, etc.] und gerade, wenn es mir schwer fällt, über mich zu schreiben, kann ich dadurch die innere Blockade umgehen, dass ich mir erlaube, einfach drauflos zu schreiben.

Jetzt habe ich genug Stoff und kann schauen: Welche Grundaussagen sind mir wichtig, was entspricht mir – und ich kann sogar die eine oder andere Formulierung übernehmen, eben weil ich mich locker gemacht habe.