Zeit + Aufwand

Welche Priorität sollte das Schreiben haben?

Im letzten Jahr habe ich erschreckend oft gehört: „Eigentlich sollte mein Newsletter monatlich kommen, aber realistisch schaffe ich vielleicht alle zwei, drei Monate. Wenn überhaupt.“

  • Ja, so ein Monat vergeht recht schnell.
  • Ja, wir haben alle jede Menge zu tun und das, was uns im Alltag bestürmt, bekommt meistens Vorrang.
  • Vielleicht kommt es dir so vor, dass niemand deinen Newsletter vermisst, dass er nichts bringt und es daher relativ wurscht ist, ob du ihn in größeren Abständen schickst.

Das gilt natürlich nicht nur für einen Newsletter, sondern für alles, was wir so schreiben wollen, sollen, könnten.

Nun hat das Schreiben nicht für jeden den gleichen Stellenwert. Es gibt Selbstständige, die ihr Business bereits bestens am Laufen haben. Und es gibt viele, die ihre Ziele anders verfolgen – also das, was sie kurz-, mittel- und langfristig erreichen wollen -, etwa ihr Marketing regional auf traditionelleren Wegen machen oder lieber live bei Vorträgen oder sonstigen Veranstaltungen ihr Publikum finden.

Anders sieht es in diesen Fällen aus:

  • Du bist selbstständig und willst das Schreiben als Marketingmaßnahme nutzen.
  • Du willst besser schreiben können.
  • Du möchtest dir eine Plattform aufbauen, um ein Produkt oder eine Dienstleistung online zu verkaufen.
  • Du planst ein größeres Schreibprojekt oder hast bereits damit angefangen.

Wer das Schreiben aktiv für sein Business nutzen möchte, muss ihm eine höhere Priorität geben!

„Ich habe keine Zeit.“

Versteh ich total! Geht mir genauso. Manchmal hat man auch keine Lust oder ist gerade nicht Meister der Produktivität.

Doch genau darum ist es so wichtig, sich seiner Prioritäten klar zu werden. Nehmen wir noch mal den Newsletter. Der ist ein gutes Beispiel, weil es hier um 12, oft sogar nur 10 Texte geht, wenn Urlaubs- oder Weihnachtspause dazukommen.

Zehn Texte sind absolut überschaubar. Sie lassen sich mit einem guten Redaktionsplan sogar clever planen und auf Halde schreiben.

Ich hatte früher einige Jahre den Workshop „12 Newslettertexte in drei Tagen“. Da haben einige Hardcore-Teilnehmerinnen sich an einem langen Wochenende die Ochenstour gegeben und waren froh, das ganze Jahr über alle ihre Texte parat zu haben. Und das waren nicht alles die super Schreibprofis (wobei sich gezeigt hat, dass dieses intensive Schreiben immer zu einem Eingrooven führt und es nach den ersten zwei, drei Texten viel schneller geht) – allerdings haben sie ihrem Newsletter eine Priorität eingeräumt: Ich nehme mir jetzt die Zeit, damit ich dieses mir wichtige Marketingwerkzeug das ganze Jahr regelmäßig bestücken kann.

Dieses Extrembeispiel soll zeigen: So ein Newsletter, also 10 bis 12 Texte, lässt sich in kleinen Bündeln wunderbar vorproduzieren – und damit viel besser in das Auf und Ab des Alltags einbinden. In einer ruhigen Zeit oder mit gezielt genommenen Zeitinseln einfach mal zwei, drei Stück vorschreiben, entspannt die Lage schon.

Selbst wenn es dir lieber ist, monatlich einen Text zu schreiben, geht es um eine bedingungslose Priorität: Ein Newsletter, der maximal 12 wertvolle Kontaktpunkte zu deinen Kunden bietet, muss ein festes Commitment sein – und kein „heute mal nicht“. Zumal dein Verteiler nur dann steigen wird, wenn der Newsletter öfter erscheint.

Da beißt sich die Katze nämlich in den Schwanz: Manche haben noch nicht viele Abonnenten. Die Arbeit ist jedoch die gleiche, ob es 30 Empfänger, 300 oder 3000 sind. Wer jetzt aber denkt „sind ja eh nur 30, ist doch egal, wenn vier Monate nichts kommt“, der hat halt am Ende des Jahres erst 40 Abonnenten oder wieder 20, statt deutlich mehr.

Frag dich, welchen Stellenwert das Schreiben für dich hat.

Vielleicht ist das Schreiben für dein Business eher untergeordnet, ein „nice to have“. Das ist gut zu wissen! Denn das nimmt dir enormen Stress raus, verschafft dir Freiräume, weil du weißt, dass es in der Priorität eben nicht so weit oben steht.

Das zu wissen,

  • holt dir das ewige „Ich sollte noch“ aus dem Genick,
  • ermöglicht es dir, Projekte eventuell gezielt auf ein großzügigeres Intervall bzw. auf eine weiter entfernte Deadline zu setzen,
  • und es führt vielleicht sogar dazu, dass du bestimmte Projekte kippst, etwa ein dümpelndes Blog zumachst, das mit dem Newsletter bleiben lässt oder Facebook, Twitter, o. Ä. löschst.  Wenn du neue oder bestehende Kunden anderweitig gewinnst und du dir online nicht gerade was aufbauen willst, ist das voll okay! [Das betone ich, weil ich ebenfalls irre oft höre „Ich will eigentlich gar nicht, aber mir wurde gesagt, das braucht man heutzutage.“]

Wenn du aber durch das Schreiben handfest etwas für dein Business erreichen willst, dann muss es in der Priorität weiter raufrutschen. Alles, was eine höhere Priorität hat, macht die Entscheidung, womit wir unsere Zeit nutzen, leichter.

Wer sich gerade im Netz aktiv etwas „erschreiben“ will und nicht nur gelegentlich mal seine Website textet, der braucht regelmäßigen Output. Blogs, Newsletter, Followerzahlen – all das wächst nur dann richtig an, wenn in kurzem Takt was passiert … und zwar etwas, das dich und dein Business aktiv repräsentiert UND für die von dir angestrebte Zielgruppe wertvoll ist.

Gleiches gilt für umfassendere Schreibprojekte, wie Selbstlernkurse oder Bücher.

Es lohnt sich daher, zu hinterfragen, welchen wahren Stellenwert das Schreiben für dein Business hat. Nur dann wirst du regelmäßig Zeit dafür schaffen.