Lesefluss

*gähn* … schnarchnasige Texte

Mitunter merkt mans selbst: Schon beim Schreiben mag kein rechter Schwung aufkommen. Oder du hast dich total auf den Inhalt konzentriert und wenn du fertig bist, kommt dir alles so dröge vor.

Texte sind besonders aus fünf Gründen langweilig:

1. Es gibt weder Botschaft noch Ziel.

Der Autor hat weder eine klare Message, noch führt der Text irgendwohin. Doch EinzelunternehmerInnen sind ganz unterschiedliche Persönlichkeiten – mit unterschiedlichen Blickwinkeln, Erfahrungen und einem Koffer an Überzeugungen, was sich für dich und deine Kunden bewährt hat. Es gibt leider nach wie vor zu oft neutrale Infovermittlungstexte, in denen Basics erklärt werden. Dabei ist es als AutorIn wichtig, sich einzubringen:

Dann macht das Schreiben gleich viel mehr Spaß und der Mitteilungsdrang bringt alles ins Flutschen. Da will was raus.

2. Es gibt zwar Botschaft und Ziel, aber beides juckt deine Leser nicht.

Wer etwas beabsichtigt, muss dafür sorgen, dass Emotionen beteiligt sind:

Denn Gleichgültigkeit ist das Schlimmste: Du kannst vom Informationsgehalt einen ganz guten Text schreiben. Wenn der die Leser kalt lässt, also überhaupt gar nix überspringt, rutscht er so durch.

Schreibst du hingegen unterhaltsam, erreichst du einen Domino-Effekt: 

3. Der Text ist zu neutral-distanziert geschrieben.

Meiner Erfahrung nach sind die meisten Selbstständigen, die sich die Mühe machen, zu bloggen oder einen Newsletter zu schreiben, total engagiert. Oft ist eine große Portion Idealismus dabei: Sie wollen anderen ihr Know-how schenken, ihnen hilfreiche Methoden an die Hand geben oder einfach zeigen „Hey, du kannst dies und das schaffen“!

Hier schlägt oft das Schreiben zu. Damit meine ich keineswegs das Unvermögen! Sondern wir sind es oft gewohnt, neutraler zu schreiben als wir im richtigen Leben sind. Bei einigen gesellt sich eine Schreibphobie aus der Schule mit dazu. Und schon haben wir den Salat!

Jeder Text wird praktisch sofort lebendiger und abwechslungsreicher, wenn du so schreibst, wie du bist:

4. Eintönigkeit

Ist ein Text eintönig, kann das verschiedene Ebenen betreffen:

Das Déjà-vu. Wer viel schreibt, entwickelt seine Routinen. Gerade beim Bloggen führt das gerne mal zum Schema F: Die Texte sind immer gleich aufgebaut, es werden dieselben Stilmittel genutzt [oder eben nicht] und der begrenzte aktive Schreibwortschatz, zu dem ich gleich noch separat was sage, trägt sein Übriges bei. Es ist nichts gegen Routine zu sagen, ganz im Gegenteil, aber wer nicht auf Vielseitigkeit achtet und sein Schreibrepertoire nicht gezielt erweitert, der spielt halt mit der Zeit auf einer recht begrenzten, altbekannten Klaviatur.

Der Text liest sich flach. Sogar wenn du immer mal wieder andere Artikelformen und Stilmittel einsetzt, kann sich deine Schreibe eher blutleer anfühlen. Das kennst du vom Sprechen: Denk an Leute mit einem immer gleichen Sprachrhythmus. Oder an welche, die eine begrenzte Sprachmelodie haben. Es wird schnell sehr mühsam, zu folgen. Die Aufmerksamkeit driftet ab oder der Impuls wird stark, sich zu entfernen. Die Gründe dafür, habe ich alle bereits genannt:

  • Es ist die mangelnde Absicht,
  • der fehlende Plauderton [nichts Eigenes],
  • der begrenzte aktive Schreibwortschatz
  • und routinierter oder gar distanzierter Satzbau.

Das klingt alles so wild, doch tatsächlich sind diese Auslöser relativ einfach zu verbessern. Absicht + Plauderton wollen freigesetzt werden – und die anderen beiden werden automatisch besser, wenn du verstärkt aufs Feintuning achtest [Wichtig: Feintuning an Formulierungen geschieht immer erst, wenn der komplette unperfekte Entwurf steht, nicht schon während des Schreibens!].

5. Langatmig

Langatmigkeit hat ebenfalls viele Gesichter: Meistens gibt es eine elend lange Hinführung, weil ins Blaue geschrieben wird – dem Autoren also gar nicht klar ist, worauf er hinaus will. Andere drücken sich bewusst oder unbewusst davor, in die Tiefe zu gehen. Sie reden lieber um den Brei, anstatt Substanz zu liefern.

Langatmigkeit kann sich auch in Bandwurmsätzen äußern. Die sind nicht nur schwerer verständlich, was unser Gehirn wiederum auf ein falsches Gleis bringt (Ich bin es, das Gehirn Ihrer Leser!), sondern sie nehmen einem Text zudem das Tempo.