Zeit + Orga

Loslassen vs. abschließen

Immer wieder sagen mir Leute, ich sei ja so konsequent im Loslassen. Doch ich lasse meistens gar nicht los – ich schließe ab.

Das Abschließen hat eine völlig andere Qualität, und darum fällt es nicht nur leicht, sondern ist sogar eine Erleichterung. Denn alles, was abgeschlossen ist, ist erledigt. Das fühlt sich gut an und es macht Kapazitäten frei. Besonders mental.

Aber eben nur, wenn es komplett abgeschlossen ist. Darum lösche ich Blogs, beerdige Projekte oder biete Angebote nicht mehr an, selbst wenn sie super laufen. Das Doch-noch-offen-lassen beeinträchtigt mich. Da sitzt immer noch was im Genick. Das bindet Energie.

Für mich gibt es diese Gründe, im Business mit etwas abzuschließen:

Ich merke, dass es für mich ungute Nebenwirkungen hat

Als EinzelunternehmerInnen denken wir uns Angebote aus, doch beim Durchführen wird einem oft erst klar, was noch damit zusammenhängt. Zum Beispiel:

  • Jemand plant am heimischen Schreibtisch eine Vortragstour, ist in der Theorie total motiviert, doch während der Tour wird einem erst klar, welche Strapazen die Fahrerei und das Übernachten in Hotels bedeutet. Die Vorträge selbst machen total Spaß, das Drumherum nervt.
  • Oder ich lege einen Workshop fest und merke, dass Leute kommen, die ein bestimmtes Zusatzbedürfnis haben, mit dem ich mich nicht mehr befassen will. Dann kann es sein, dass ich das Angebot kippe und durch was Neues ersetze, das stärker auf eine Teilleistung oder Zielgruppe fokussiert ist.

Das Gute ist, dass wir EinzelunternehmerInnen gerade in dieser Beziehung total beweglich sein können: Weil es nur uns selbst gibt. Und weil wir zeitlich in einem überschaubaren Rahmen planen.

Ich habe keine rechte Lust mehr drauf

Meinem Erleben nach gibt es zwei Lager: Die einen lieben die Wiederholung, sie mögen etwas etablieren und dann bis in alle Ewigkeiten durchführen, um immer besser zu werden und um von der Routine zu profitieren.

Die anderen möchten – mal früher, mal später – immer wieder etwas Neues. Ich liebe beispielsweise die Abwechslung, mache allerdings Dinge, die mir total Spaß machen, gerne besonders intensiv. Damit kann es aber umso schneller vorbei sein. Plötzlich merke ich: Jetzt macht es mir nicht mehr so viel Lust. Mal, weil sich die Dinge wiederholen. Mal, weil es mich gar nicht mehr fordert. Oder weil ich mittlerweile nach etwas anderem schiele und nicht Raum für alles habe [siehe nächster Punkt].

Gerade mit den Angeboten, die besonders gut laufen, sind wir am meisten beschäftigt. Das ist super, denn das ist ein Zugpferd, mit dem wir einen Großteil unseres Umatzes machen – oder um ein anderes Tier zu bemühen: die Cash-Cow.

Hier geht es für manche dann doch ums Loslassen, selbst wenn es sich um eine Leistung handelt, mit der man innerlich abgeschlossen hat: Denn wenn ein Business schwerpunktmäßig auf einem Angebot basiert, das man nimmer so gerne bedient, dann ist es halt schwer zu sagen: Ich beerdige diese Cash-Cow jetzt.

Als EinzelunternehmerInnen haben wir die ultimative Freiheit, alles gestalten zu können. Da sollten wir selbst doch wirklich gerne machen, was wir anbieten und mit den Leuten arbeiten, mit denen wir arbeiten möchten. Das bedeutet manchmal, dass wir eine Weiche neu stellen. Das Gute: Das muss ja nicht von jetzt auf plötzlich sein. Es ist absolut möglich, eine Cash-Cow oder einfach ein Angebot, das wir routinemäßig gerne machen, beizubehalten – aber ausschleichen zu lassen, während das Neue aufgebaut wird.

Ich möchte etwas anderes reinnehmen – darum muss etwas weichen

Dieser Punkt ist selbsterklärend: Unsere Ressourcen sind begrenzt. Etwas auszuarbeiten, umzusetzen und meistens noch Marketing dafür zu machen (besonders für neue Angebote), braucht Zeit, Energie und kostet Geld. Selbst wenn wir niemanden dafür beauftragen, denn unsere eigene Arbeitszeit und die Opportunitätskosten schlagen zu Buche.

Wir können also nur ein begrenztes Angebot haben. Wollen wir uns verändern, haben wir Lust auf was ganz Neues, kommt irgendwann der Punkt, wo etwas anderes weg muss. Denn immer noch was dazu, geht einfach nicht.

Je nachdem, um welche Angebote es sich handelt, sind sie mit mehr oder weniger Aufwand verbunden. Dazu kommt, dass einen manchmal neue Angebote oder Zielgruppen stärker fordern als das Altbekannte, indem wir schon sehr viel Routine haben.

Plus: Viele Entscheidungen haben zudem damit zu tun, etwas auszuarbeiten. Wenn ich schaue, wie sehr Kunden oft an etwas herumplanen, schreiben, feilen, sich also so ein eigenes Projekt gerne mal zieht wie Kaugummi, dann wird es noch wichtiger, gezielt auszusortieren.

Mit dem Abschließen ist ein Kapitel beendet

Ich finde dieses bewusste Abschließen würdigt das, was war. Es sagt aber auch ganz bewusst: Damit ist es jetzt gut. Es ist Zeit für was anderes.

Es gibt die Ad-hoc-Entscheidungen: Etwas fällt von jetzt auf plötzlich raus.

Und es gibt das Abschließen mit Ankündigung. Letzteres mache ich eher dann, wenn es etwas ist, das sehr beliebt war und ich weiß, dass meine Leser und Kunden enttäuscht wären, wenn sie gar nicht mehr die Gelegenheit haben, mitzumachen. Spricht also für mich nichts dagegen, kündige ich an, wenn ich einen Workshop auslaufen lasse. Oder ich beschließe: Das bleibt jetzt noch dieses Jahr im Programm und dann ist Ende Gelände. Das alleine bringt dann noch mal einen Schwung Lust mit: Denn jetzt ist es überschaubar, wie oft ich es noch mache und das macht dann noch mal richtig Spaß.

Schließlich setzt der bewusste Abschluss immer einen Termin für das, was danach kommt. Das ist besonders wichtig, weil EinzelunternehmerInnen mitunter dazu neigen, eher zu reagieren, erst recht, wenn das Alltagsgeschäft brummt. Es gibt einen Termin, wo sich etwas wandelt. Und weil häufig etwas Neues das Alte ersetzt, hilft es einem auf die Sprünge, rechtzeitig zu überlegen, was das sein soll, um es fix- und fertigzumachen.