typische Fehler

Sich als AutorIn was dazudenken, was gar nicht dasteht

Kommen wir mal wieder intensiv auf unseren größten Pluspunkt zurück, der gleichzeitig ein großer Fallstrick beim Schreiben sein kann: unser Expertenkopf.

Wir wissen wahnsinnig viel. Unser Kopf steckt voller Know-how, Erfahrungen, Standpunkten und Zusammenhängen. Da wir den Kopf nicht ausschalten können, denkt der sich immer seinen Teil dazu.

Die Folge:  Über dem Kopf deiner Leser bilden sich Fragezeichen. Denn denen fehlt was, weil sie sich nur an das halten können, was dasteht.

Bei Fachartikeln oder Büchern fällt sowas auf: Denn da gibt es mindestens einen Vorab-Leser, der entweder fachfremd ist oder dessen Aufgabe es ist, solche Hä?-Passagen herauszufischen, bevor der Text veröffentlicht wird.

Doch wenn wir für uns selbst schreiben, sieht es in der Regel vorher niemand.

Meinen vs. dastehen

Es gibt verschiedene Dazudenk-Fehler:

Du machst im Text lange nicht klar, worums eigentlich geht.

Oft sind die Überschrift sehr blumig oder schwammig. Da wird das Thema recht groß umrissen. Ist jetzt der Einstieg zudem ein Beispiel oder eine Anekdote, die nicht so eindeutig formuliert ist, kann der Leser nicht folgen.

Wenn im ersten oder zweiten Absatz nicht klar ausgesprochen wird, worauf du hinauswillst, steigen deine LeserInnen entweder sofort aus. Oder sie können den bisher gelesenen Text nicht verarbeiten, weil das Hirn damit beschäftigt ist, herauszufinden, worauf du hinauswillst.

Wir wollen aber die Aufmerksamkeit von Anfang an gewinnen und bis zum Ende halten, damit der Leser flüssig durchkommt.

Du nutzt einen Fachausdruck, der nicht allen Lesern geläufig ist.

Damit sind Fremdwörter und Insider“-Ausdrücke der Branche gemeint, die man nur als Fachkollege kennt oder als jemand, der bereits stärker in der Materie drin ist.

Nun kommt es natürlich auf die Zielgruppe an, für die du den Text schreibst: Bist du sicher, dass die einen bestimmten Ausdruck natürlich kennen, ist alles paletti. Dann ist es sogar gut, dich genau so auszudrücken, weil es das Lesen verständlicher und eindeutiger macht – und klar ist, dass Ihr die gleiche Sprache sprecht.

Häufig ist es aber so, dass wir als Fachleute mit Laien zu tun haben. Und da rutschen dann gerne für uns ganz selbstverständliche Formulierungen rein, die für Laien ganz und gar nicht klar sind.

Du hast einen Gedankensprung drin.

Das korrigiere ich in Workshops am meisten: Das zu abrupte Hüpfen von einer Aussage zur anderen. Meistens fehlt einfach nur eine kleine Überleitung, damit der Leser nahtlos folgen kann:

Es gibt Autoren, die sehr extrem im Fließtext schreiben: Da kommt alles hintereinander weg und dieses arge Zusammenballen ist ein Problem. Zum einen kommt Bleiwüste raus, was dazu führt, dass der Text nicht gern gelesen wird. Zum anderen kommt das Hirn nicht gut durch. Die Lösung: Den Text klar strukturieren – mit Absätzen und aussagekräftigen Zwischenüberschriften.

Du deutest etwas an, was für die Leser nicht schlüssig ist.

Schreiben bedeutet, dass wir uns begrenzen müssen. Darum erinnere ich euch ständig daran, wirklich konkrete Themenfacetten auszuwählen – das Plankton.

Selbstverständlich gibt es innerhalb unseres Fachgebiets ständig Berührungspunkte: Weil alles zusammenhängt und Auswirkungen hat, springt der Expertenkopf beim Schreiben dauernd an:

  • Das wäre noch wichtig, …
  • Dies und jenes sollte der Leser unbedingt bzw. auf keinen Fall tun, …
  • Das hängt zusammen mit …

Im Entwurf passiert es dann schnell, dass wir auf so einen Nebenweg geraten: Bei den einen kippt der ganze Text weg. Sie bleiben nicht bei ihrem gewählten Thema, sondern schreiben plötzlich über den Gedanken, den sie gerade hatten. Darum plädiere ich so fürs Konzipieren. Da passiert das nämlich anfangs auch, aber wenn, dann merkt man es rechtzeitig vor dem Schreiben des ersten Wortes!

Wer hingegen ins Blaue schreibt, dem kann es passieren, dass das Thema wegkippt, da es aber natürlich schon mit dem Ursprungsthema zusammenhängt, fällt es unserem Expertenkopf nicht auf. Die Leser hingegen sind verwirrt oder enttäuscht, weil das, was ihnen versprochen wurde, im Text nicht oder nicht ausreichend vorkommt.

Doch selbst, wenn der Text insgesamt auf Kurs bleibt, entstehen Erklärungslücken, wenn es bei einer Andeutung bleibt: Behauptung vs. Begründung

Die gute Nachricht:

Das lässt sich alles in der Feintuningphase des fertigen Artikels problemlos nachbessern. Und selbst bemerken kannst du diese Experten-Lücken auch, indem du dich darauf konzentrierst, was wirklich dasteht.

Bist du bisher nicht gewöhnt, auf so Details zu achten, ist es am einfachsten, wenn du dir deinen fertigen Entwurf laut vorliest. Beim leise Lesen passiert das dazudenken nämlich eher. Wenn du dir den Text auf die Ohren gibst, hörst du, was wirklich dasteht.