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Unsachliche Kritik

Wer veröffentlicht, wird immer mal mit Kritik konfrontiert. Ganz besonders im Netz, wo entsprechende Kommentare dann auch noch von anderen gelesen werden.

Nun ist Kritik ohnehin schwer zu schlucken. Selbst, wenn wir etwas nachvollziehen können. Ein noch größerer Hammer ist die unsachliche Kritik. Wenn andere uns anklagen, sich mokieren oder uns die Worte im Mund umdrehen.

Doch lasst uns mal näher hinschauen, denn diese Art der Kritik hat gar nicht immer so viel mit dir oder deinem Text zu tun.

Worum geht es dem unsachlichen Kritiker?

Wir kennen fast alle diese Tritte gegens Schienbein, das unsachliche Anklagen oder gar Krawallmachen. Die Auslöser für solche Ausbrüche sind unterschiedlich, und doch haben sie eines gemein:

Es geht nicht um die Kritik, sondern es geht dem Menschen, der sie äußert, vorrangig um etwas ganz anderes – in erster Linie um sich selbst.

Ganz weit vorne dabei sind die folgenden Motive.

Sich auf Kosten eines anderen profilieren/lustig machen/besser fühlen …

Die Branchenkollegin, die dich öffentlich vorführt. Der Blogleser, der von oben herab einen Fehler korrigiert. Der ehemalige Kunde, der seinen Frust an dir auslässt. Meistens geht unsachliche Kritik damit einher, dass der andere sich auf deine Kosten besserstellen möchte.

Das Beruhigende: Andere können sehr gut einschätzen, was hier gerade passiert. Die Kritik und das Verhalten des Kritikers sprechen für sich. Gerade wenn der Seitenhieb von einem Mitbewerber kommt, lässt ihn das alles andere als gut aussehen.

Macht ausüben: Dich klein machen/manipulieren/“untertauchen“ …

Diese Spielart von Auf-deine-Kosten zielt darauf ab, dass der andere Macht ausüben will. Das sind die Choleriker-Auftraggeber, die dich als Freiberufler springen lassen, weil sie sich am längeren Hebel wähnen und es sind die Leute, die dich zu etwas bringen wollen: zu Mehrarbeit, einem geringeren Honorar, oder oder oder.

Das ist manchmal reine Taktik, weil sie gelernt haben, dass sie damit bekommen, was sie möchten. Leider gibt es natürlich Menschen, bei denen es ein Persönlichkeitsmerkmal ist, den anderen sich klein und hässlich fühlen zu lassen („Ich bin der Größte! Ich weiß es am Besten! Ich habe das Sagen!“).

Ausgleichende „Gerechtigkeit“: Negatives weitergeben …

Manchen Menschen geht es einfach schlecht. Sie fühlen sich vom Leben schlecht behandelt, stecken gerade in einer schwierigen Phase und können es nicht ertragen, dass es anderen besser geht. Hin und wieder reagieren sie einfach allergisch, wenn sie sich für blöd hingestellt fühlen oder ein großes Problem in einem Text zu sehr trivialisiert wird. Dann kommt es vor, dass man auf Social Media ein positives Zitat verbreitet und jemand einem verbal in die Magengrube schlägt.

Das ist manchmal einfach eine Überreaktion. Die kennen wir alle! Da kann einem schon mal das gut gemeinte Facebook-Posting um die Ohren fliegen.

Dann gibt es noch Menschen, die Kritik nur als Ohrfeige kennen. Weil sie selbst von den Eltern oder anderen immer wieder grob heruntergemacht wurden. Oder weil sie denken, dass Kritik bedeutet, dass man an etwas kein gutes Haar lässt.

Verurteilen: Bewunderung + Kritikpunkte des anderen an sich …

Mitunter kommt es vor, dass einer deiner harschesten Kritiker insgeheim bewundert, was du da machst. Das möchte er/sie ebenfalls gerne darstellen, können oder sich trauen, aber gestattet es sich nicht. Oder es geht um eine Sache, die die Person an sich selbst nicht leiden kann, was ihr vielleicht gar nicht so bewusst ist, sondern nur weiß, dass es ihr bei anderen ein Dorn im Auge ist.

Übrigens habe ich beobachtet, dass die Leute, die andere am strengsten beurteilen selbst die meiste Angst davor haben, dass und wie andere sie be-( ver-)urteilen.

Auge um Auge: zurückschlagen/Rache/sich wehren …

Dann gibt es natürlich noch das Wehren: Jemand haut zurück, weil er sich ungerecht behandelt oder in die Ecke gedrängt fühlt – und jetzt sieht er die Möglichkeit, es via Blog- oder Facebookkommentar unter einem deiner Texte heimzuzahlen.

Ehrlich gesagt: Bei einigen Kommentaren in Blogs und auf Social Media frage ich mich manchmal, ob derjenige gerade etwas beschwippst ist. Ich hatte auf einem meiner früheren Blogs eine langjährige Leserin, die viel kommentiert hat – meistens freundlich und sachlich. Doch zwischenrein kamen die boshaftesten, manchmal wirrsten Seitenhieb-Postings, die mir jemals untergekommen sind.

Inhalt vs. Ton

Damit wir uns richtig verstehen: Das sind alles durchaus menschliche Reaktionen. Ich glaube, dass viele von uns solche Situationen selbst schon erlebt haben: Dass man seine schlechte Laune oder ein Problem einfach mal an jemand anderem ausgelassen hat. Sogar, wenn man das eigentlich nicht tun will.

Gerade, weil wir so eine Entgleisung mitunter von uns selbst kennen, hilft es, bei anderen nicht alles auf die Goldwaage zu legen.

Auch das nützt dafür, mit unsachlicher Kritik besser umgehen zu können und, wenn du auf so eine Kritik antworten willst, das gelassener und konstruktiver zu machen. Weil du davon ausgehst, dass der andere sich auf den Schlips getreten fühlt, in einem wunden Punkt getroffen ist oder sonst mit einer Sache kämpft.

Das ist kein Schönreden! Ich habe es oft genug erlebt, dass sehr harsche Kritiker plötzlich den Ton geändert und sich sogar entschuldigt haben. Ja, hin und wieder hat man es mit einem Arsch zu tun, der einfach gerne trollen oder treten will. Dann ist es erst recht gut, sich nicht auf die gleiche Ebene hinunterreißen zu lassen. Bei unsachlicher Kritik gilt immer:

„Wenn mir jemand so kommt, hat er in erster Linie der ein Problem mit sich. – Ich muss mir diesen Schuh hier nicht anziehen!“

Kann und sollte man trotzdem mal kurz checken, ob in der Kritik sachlich was drin ist, das nützt? – Klar! Das schult vor allem mal das Trennen von „persönlicher Angriff“ und „was für einen Kern hat die Kritik“. Hat sie keinen, hat es sich eh erledigt. Hat sie einen, dann kannst du immer noch sehen, was du damit tun willst. Auf jeden Fall gelingt es dann viel besser, zu entscheiden, ob du überhaupt reagieren möchtest. Wenn ja, kannst du auf den Inhalt der Kritik eingehen, was dich gleich souveräner wirken lässt [selbst, wenn es innerlich kocht und das vermutlich noch eine Weile tun wird].

Für uns Selbstständige ist vor allem eins wichtig:

Ist die Person, die mich kritisiert, überhaupt ein Kunde von mir? Gibt sie mir ihr Geld? – Gerade im Internet ist man nämlich besonders meist von irgendwelchen Leuten unter Beschuss.

Zum Glück sind solche unsachlichen Kritiken meist sehr selten. Und doch: Ich habe über die letzten Jahrzehnte, die ich im Netz bin, die unfreundlichsten, gröbsten und forderndsten E-Mails, was ich gefälligst zu tun oder zu lassen habe, von Leuten bekommen, die nach eigenem Bekunden schon jahrelang bei mir mitlesen, mich aber nie für irgendetwas beauftragt haben. Auf Platz 2 sind irgendwelche mir völlig unbekannten Menschen, die auf Social Media über mich gestolpert sind, weil ihnen was in die Timeline gespült haben.

Achte drauf, von wem die unsachliche Kritik überhaupt kommt. Das hilft enorm, sie einzuordnen, anstatt ewig drauf herumzukauen.