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Der XX-Artikel: Spiel dich mit Adjektiven!

Ich bin ein großer Freund des XX-Artikels. So nenne ich die Artikel mit einer bestimmten Anzahl von Tipps/Missverständnissen/Don’ts/… à la:

  • 3 Verhaltensweisen, die es dir erleichtern, anderen zu verzeihen
  • 5 Schnelltipps gegen Lampenfieber

Warum der XX-Artikel extrem hilft, vor allem bei der Struktur, habe ich bereits ausführlich beschrieben. Hier und hier gibt es Formulare dazu.

Im Artikel Hol mehr aus XX-Artikeln raus gings um die Adjektive.

… das will ich euch heute mal noch mal stärker ins Bewusstsein rücken.

Nicht immer dieselben Adjektive!

Fast alle, die regelmäßig schreiben, wünschen sich Vielseitigkeit. So kommt mehr Leben ins Blog und die Schreiberei bleibt spannend.

Dazu gehört, dass wir uns fordern. Denn immer, wenn wir uns als Autoren strecken müssen, werden Artikel besser. Außerdem werden wir schlauer: Wir kramen die Dinge neu beziehungsweise anders aus unserem Kopf raus.

Hier mal eine Liste von Adjektiven:

  • simple
  • sofort wirksame
  • pfiffige
  • „ultimative“
  • fundamentale
  • clevere
  • geniale
  • außergewöhnliche
  • überraschende
  • hirnverbrannte
  • gern falsch verstandene
  • absurde
  • kontraproduktive
  • merk-würdige
  • vermeintlich hilfreiche
  • komische
  • gut klingende
  • undurchdachte

Schauen wir uns ein Beispiel an!

Ein Bewerbungscoach überlegt sich, einen Artikel zu schreiben, was man im Job-Interview nicht tun soll. Sein erster Gedanke ist: 5 Don’ts im Bewerbungsgespräch – das ist allerdings was ziemlich Übliches. Wenn unser Beispielcoach das trotzdem sehr eigen aufzieht, kann er was draus machen. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings relativ hoch, dass er in üblichen Inhalten hängenbleibt, die schon x-mal woanders stehen. Die Don’ts lenken zudem in Richtung „tu dies nicht, tu das nicht“ … wogegen nichts zu sagen ist, es bedeutet nur, dass sich diese Art von Artikeln oft von Form und Formulierung ähneln.

Unser Bewerbungscoach könnte aber auch nehmen:

  • 5 kontraproduktive Verhaltensweisen, mit denen sich Bewerber schon im Interview ins Aus kicken!

Oder er ärgert sich über Tipps, die andere geben, und die er ganz und gar nicht teilt:

  • 3 hirnverbrannte Tipps, die Bewerbern oft fürs Job-Interview gegeben werden

Das sind nur zwei von vielen Varianten, wie der Artikel werden kann. Sofort wird klar: Jetzt wird was ganz anderes draus – inhaltlich, aber auch vom Ton. So kann ich so einem Thema erstens viel stärker meinen Stempel aufdrücken, es mir zweitens spannend machen – und drittens schaffe ich einen stärkeren Hingucker für meine Leser, die jetzt neugieriger sind, was denn dahinter steckt. Reine „Don’ts“ haben weit weniger Zugzwang.

Du siehst: Der Plankton-Arbeitstitel ist ebenfalls dein Freund! [Bitte dran denken, dass der Arbeitstitel nur für uns selbst ist – das ist nicht zwingend die Überschrift, die später 1:1 so über dem Artikel steht.]

Wichtig: dem Adjektiv gerecht werden

Was ich in Workshops sehr oft erlebe, ist, dass das Adjektiv beim Schreiben nicht erfüllt wird. Da wird also eine spezielle Latte gesetzt:

  • 3 sofort wirksame Tipps, mit denen du einen akuten Panikanfall in den Griff bekommst
  • 5 außergewöhnliche Ideen, mit denen du deine Chancen auf eine Gehaltserhöhung steigerst

Doch die Inhalte werden dem überhaupt nicht gerecht. Statt „sofort wirksam“ kommen irgendwelche langatmigen Übungen, die durchaus generell hilfreich sind, aber keineswegs sofort wirksam sind. – Die Ideen, um eher eine Gehaltserhöhung zu bekommen, sind nicht verkehrt, aber alles anderes als außergewöhnlich.

Der Clou an besonderen Adjektiven ist, dass du ihnen gerecht wirst! Es geht nicht darum, eine reißerische Überschrift zu haben, die LeserInnen enttäuscht, weil sie nicht abliefert.

Genau das meine ich mit „höhere Latte“: Wenn du außergewöhnliche oder geniale oder fundamentale Dinge versprichst, dann kruschel in deinem Expertenkopf danach! Zieh die Inhalte raus, die dem entsprechen, oder denk sie dir hier und jetzt neu aus. Damit wird das Schreiben sehr viel spannender und du zeigst deinen LeserInnen, was du auf dem Kasten hast. Denn bei dir gibts nicht lauter Zeug, das überall eh schon steht. Bei dir lohnt es sich, mitzulesen, dir auf Social Media zu folgen oder deinen Newsletter zu abonnieren!