deine Ziele

Ziel oder Werkzeug?

Einige Jahre gabs bei mir den Blogkonzept-Workshop. Zu den Auftakt-Fragen gehörte: „Welche konkreten Ziele verfolgst du mit deinem Blog?“

Wie Ihr das von mir kennt, wollte ich da wirklich handfeste Antworten und kein Lalilu, mit dem man nicht wirklich was fangen kann. Darum war die Frage weiter aufgedröselt, etwa:

Was soll das Blog speziell für dein Business erreichen? Bitte ebenfalls die Ziele spezifisch formulieren. Sowas wie „neue Kunden“ oder „Service für bestehende Kunden“ ist zu schwammig.

Außerdem ging es um persönliche Ziele.

Danach kam:

Schau dir deine bisherigen Antworten an. Warum denkst du, dass ausgerechnet ein Blog dafür ein gutes Marketingwerkzeug ist?

Einige TeilnehmerInnen waren über die Frage verdutzt: Immerhin war das hier der Blogkonzept-Workshop, da ist die Entscheidung doch schon klar!

Sollte sie aber nicht automatisch sein.

Oft werden Ziele mit Werkzeugen verwechselt

„Ich mach jetzt auch ein Blog!“ klingt wie ein Ziel, aber die Frage ist doch: Warum will ich für mein Business bloggen? Denn hinter dem Warum stecken die eigentlichen Ziele.

Jede Marketing-Aktion, die wir machen, kommt mit einem angedockten „Was verspreche ich mir davon?“ Das ist das eigentliche Ziel. Idealerweise fragt man sich vorher, was man erreichen will, und wählt darauf bezogen das beste Werkzeug dafür aus – oder eine Kombination verschiedener Werkzeuge. Doch manchmal passiert es, dass man sich was auf die To-Do-Liste packt und denkt: „Das ist jetzt mein Ziel!“ Dabei ist es das Werkzeug, von dem ich mir erhoffe, dass es mich zum Ziel führt.

Das ist eine extrem wichtige Unterscheidung:

Zum einen beeinflusst es, wie ich das Werkzeug einsetze. Bleiben wir beim Blog als Beispiel.

Sagen wir, eine Kommunikationsfachfrau, die Mediationen, Präsentationen und Stimmtraining anbietet, möchte sich überregional als Streit-Expertin etablieren. Dann ist das ein völlig anderes Vorzeichen für ihr Blog, als wenn sie sagt: Ich will mit meinem Blog bestehende Kunden binden und dafür sorgen, dass die mit meinen Methoden und Tools, die sie in meinen Seminaren gelernt haben, am Ball bleiben.

Machen wir noch eine feinere Unterscheidung: Ein Heilpraktiker fängt an, drauflos zu bloggen und landet kreuz und quer bei Gesundheits- und Lebenstipps. Doch wenn das dahinterliegende Ziel ist, seine Leser – und Kunden – wachzurütteln, wie wichtig Selbstfürsorge ist, würde das Blog von vornherein völlig anders ausgerichtet, was Themen und Texte komplett verändert.

Viel zu oft sehe ich Selbstständige, die ohne Plan und Ziel mal eben ein Blog eröffnen und voraussetzen, dass alles, was sie so generell in ihrem Business anbieten, automatisch 1:1 das ist, worüber sie schreiben. Oft gibt’s keine Ausrichtung, keine Kategorien und entsprechend willkürlich wird die Chose dann.

Nur, wenn ich mir dessen bewusst bin, was ich mir von einer Maßnahme erhoffe, kann ich feststellen, ob das geplante Werkzeug – beispielsweise ein Blog – überhaupt passt.

Das Werkzeug passt nicht zum Ziel!

Jede Marketingmaßnahme, die was bringen soll, erfordert unseren Einsatz – in der Regel mittel- bis langfristig. Das heißt, dass wir immer irgendetwas dafür tun müssen – und das muss zu unseren Fähigkeiten und Vorlieben passen. Unter Berücksichtigung unseres bereits vorhandenen Alltags.

Ich bleibe weiterhin beispielhaft beim Bloggen, weil sich so viele Selbstständige ein Blog ans Bein binden, „weil man heutzutage eins haben muss“.

Es ist jetzt nicht das beste Werkzeug für mein Ziel.

Ja, ein gut gemachtes, regelmäßig bestücktes Blog, das du konsequent bekanntmachst, wird dir mittel- bis langfristig Aufträge bringen. Doch wer frisch selbstständig ist und dringend Aufträge braucht, muss den Aufwand, den ein Blog mit sich bringt, realistisch einschätzen. Denn am Anfang heißt es erstmal: Inhalte, Inhalte, Inhalte, aktiv Besucher gewinnen und halten.

Ein Blog nur ins Netz zu stellen, reicht nicht!

Außerdem braucht es Zeit, Vertrauen aufbauen und die kritische Masse erreichen, dass überhaupt genug Aufträge darüber generiert werden können.

Oder: Du hast aktuell hinten und vorne sowieso überhaupt keine Zeit. Selbst wenn du supergut und flott nützliche Blogbeiträge schreiben kannst (was viele nicht aus dem Stand können), hast du derzeit gar nicht die Kapazitäten, regelmäßig was zu veröffentlichen.

Es ist für mich nicht das beste Werkzeug.

Das kann an Vorlieben liegen: Es gibt so viele Marketingwerkzeuge, doch nicht alle liegen einem im Sinne von „mag ich“, „fällt mir leicht“, „mach ich gerne“. Alles was zur Qual wird, weil du widerwillig rangehst oder das Gefühl hast, du kannst es nicht, bremst aus.

Das heißt nicht, dass man nicht alles lernen kann. ABER: Es gibt nie nur ein Werkzeug für ein Ziel, gerade rund ums Auf-sich-aufmerksam-Machen und Kundengewinnen gibt es ewig viele Möglichkeiten.

Manche Leute sind einfach viel besser im persönlichen Kontakt als mit Worten, da blühen sie auf, sind buchstäblich in ihrem Element. Warum sollten die sich mit Gewalt für ein Werkzeug entscheiden, wo sie das nicht nutzen können?

Manche Werkzeuge schießen am Ziel vorbei – oder es gibt welche, die besser funktionieren. Selbstständige etwa, die nur regionale Leistungen bieten, weil man zusammen in einem Raum sitzen muss, tun sich mit regional ausgerichteten Marketingwerkzeugen einen sehr viel größeren Gefallen, als im Internet zu schreiben. Genau darum ist es so wichtig, sich der eigenen Ziele klar zu werden. Wenn ich meinen festen Kundenstamm habe und mir vom Blog erhoffe, dass ich meine Schreibfähigkeiten trainiere plus mir nebenbei meine Plattform aufbaue (weil mein Business derzeit eh ein Selbstläufer ist), dann ist das eine andere Ausgangslage als wenn jemand sagt „Oha, ich muss dringend Aufträge generieren für meine Praxis in Hintertupfing, da fang ich mit einem Blog an, dann sieht mich die ganze Welt.“

Das ist jetzt natürlich alles stark verkürzt. Ich will keinesfalls, dass der Eindruck entsteht, ich will jemandem das Bloggen ausreden. Im Gegenteil: Ich bin jetzt bald 20 Jahre selbstständig und habe vom ersten Jahr an darauf gesetzt, mein Marketing hauptsächlich über Artikel im Internet zu machen. 🙂

Der Blick aufs Ganze

Je nachdem, wie organisiert du bist, kann es dir passieren, dass du Dinge wie abzuarbeitende „To Dos“ behandelst und dann den Blick aufs Ganze verlierst.

Besonders wenn Selbstständige frisch anfangen, mit ihrem Business in ein Auftragsloch gefallen sind oder neue Weichen stellen möchten, beobachte ich mitunter einen unkoordinierten Aktionismus.

Und wenn man da mal so hinschaut, sind das alles Online-Aktionen, die sehr viel Zeit fressen und einen über Wochen und Monate mit Arbeit blockieren.

Die einen rudern sich dann durcheinander durch: Hier ein Stückchen, da ein Stückchen, und so wird nichts fertig, hält aber auf Trab.

Die anderen picken sich die Dinge raus, die ihnen leicht fallen und Spaß machen. Das kann ich total verstehen. Doch auch hier gilt: Was erwarte ich bzw. muss ich bis wann erreicht haben? Dann kann ich die Werkzeuge abklopfen und in die richtige Reihenfolge setzen.

Die größte Gefahr ist das Vorpreschen. Das ist übrigens der Grund, warum ich immer abwinke, wenn sich ein Neukunde meldet und sagt „Ich hab schon dies und das fertig“. Ich weiß, dass es nie konkret genug durchdacht ist und dass jemand, der schon einiges reingesteckt hat, selten bereit ist, noch mal gründlich abzuklopfen und gegebenenfalls zurück auf Los zu gehen.

Darum frag dich immer, wenn du drauf und dran bist zu sagen ‚Ich brauche [ein Blog, einen Newsletter, einen Flyer, …]‘:

  • Was verspreche ich mir konkret davon?
  • Ist das ein Ziel oder ist es ein Werkzeug zum Ziel?
  • Welches Werkzeug ist das beste, damit ich das, was ich mir davon verspreche, erreiche (kurz, mittel- oder langfristig)?