typische Fehler

Selbsteinschätzung zum Ankreuzen – drei wichtige Hinweise

Es ist eine wunderbare Idee, mit Ankreuz-Fragen beim Reflektieren zu helfen. Gerade für Selbstlernkurse, in Büchern oder als Download-Zuckerl im Blog eignen sich kurze Ankreuz-Elemente oder ausgefeilte Selbst-Checks ganz hervorragend: Der Leser kommt direkt ins Tun und als AutorIn kannst du viel stärker steuern, dass am Ende auch wirklich relevante Aha-Erkenntnisse rauskommen.

Immerhin ist dein Leser hier auf sich selbst gestellt. Er soll also nicht einfach nur ein bisschen was ankreuzeln, sondern am Ende wirklich etwas erfahren haben, was er so genau vorher noch nicht auf dem Schirm hatte. Und das wird leider zu stark unterschätzt!

Jetzt gibt es zu diesem spannenden, sehr vielseitigen Thema der Selbsteinschätzungen ewig viel zu sagen. Doch ich greife heute mal drei Dinge auf, die ich fast immer korrigieren muss.

1. Bei Entweder-Oder reicht fast immer eine Ankreuz-Option

Bei geschlossenen Fragen hat der Leser ja immer eine Wahl, er soll beispielsweise mit JA/NEIN antworten, STIMMT/STIMMT NICHT oder etwas wie EHER JA/EHER NEIN.

Sofern es keine dritte Option gibt, bedeutet ein Ankreuzen, dass der Leser das jeweils andere ausschließt. Es braucht also kein:

Getreu dem Motto „keep it simple“ reicht es, wenn du sagst „Kreuze alles an, was auf dich zutrifft“:

Eine Ausnahme wäre ein komplexerer Test, bei dem es für die Übersicht oder zum Weiterarbeiten sinnvoll ist, dass deine Leser das JA/NEIN stärker auch vom Layout her ins Blickfeld bekommt. Dann sähe das sinnvollerweise so aus:

2. Die Formulierung muss zur Antwort passen

Das ist in der Regel einfach eine Nachlässigkeit, gerade wenn es viele Ankreuz-Optionen gibt: Da verfällt man dann manchmal ein bisschen in den Brainstormingmodus und denkt nicht dran, dass ein JA/NEIN oder TRIFFT ZU als Antwort überhaupt möglich sein muss.

Gerne kommt es außerdem zu Oder-Und-Konstruktionen: zwei verschiedene Antworten werden in eine gepresst – was die Sache für die Leser nicht beantwortbar macht, wenn eins davon für ihn passend ist, das andere aber nicht, z. B.

3. Die abgefragten Statements müssen in die „gleiche Richtung“ gehen

Es erleichtert die Selbsteinschätzung – und die Auswertung – enorm, wenn alle Fragen in die gleiche Richtung gestellt sind, also nur positiv oder nur negativ. Denn nur dann ist auf einen Blick die klare Tendenz erkennbar. Das bisherige Beispiel hat dir gezeigt, was ich mit „in die gleiche Richtung“ meine: Alles, was der Leser ankreuzt, ist für ihn negativ (grüble stark, steigere mich rein, habe schlaflose Nächte, würde nie offen fragen).

Doch fast in jedem Selbst-Check dieser Art, den ich sehe, springen die Formulierungen in der Bedeutung hin und her, z. B.:

Hier würde prinzipiell dasselbe abgefragt (Details mal außen vor), doch der Leser muss beim Ankreuzen ständig umdenken + die angekreuzten Optionen geben ihm kein sofort sichtbares, klares Gesamtergebnis, mit dem er etwas anfangen kann – geschweige denn nahtlos weiterarbeiten.

 

Du siehst: Das alles ist nicht kompliziert, aber es wird fast immer im ersten Anlauf übersehen. Insbesondere wenn solche Selbst-Einschätzungen etwas klarmachen sollen, eventuell sogar komplexer sind, weil sie sich durch einen Selbstlernkurs ziehen oder einen umfassenden Eigen-Check ermöglichen sollen, gehört es dazu, nicht nur Fragen in den Raum zu stellen. Es gilt, das Gesamtpaket so zu konzipieren, dass du gezielt steuerst, was der Leser am Ende des Ankreuzens erkennt. Denn die Antworten auf die Einzelfragen kennt er in der Regel bereits.