deine Ziele

Rückschau: Was sich bewährt hat zum Thema Geld

Wenn ich in einigen Monaten mit schreibnudel.de aufhöre, bin ich seit 20 Jahren selbstständig und seit ca. zehn aufs Schreiben spezialisiert. Um herauszufinden, was ich ab Januar anbiete, halte ich für mich Rückschau: Was habe ich über die Jahre so gemacht, was gefällt mir, was will ich nicht mehr machen?

Da Ihr ein eigenes Unternehmen habt, lasse ich euch teilhaben, was sich bei mir bewährt hat – und was nicht. Vielleicht ist das eine oder andere für dein Business relevant:

Vorkasse bei den Workshops

Das war vor einigen Jahren die wichtigste Entscheidung: Die ersten Jahre habe ich Anmeldungen angenommen und erst nach dem Workshop-Tag abgerechnet. Doch es gab immer wieder Leute, die sich monatelang im voraus für Workshops angemeldet haben, nur um dann kurz vor knapp zu sagen „doch nicht“. Es gab sogar einige, die haben einen Rundumschlag an Anmeldungen gemacht, weil meine Workshops teilweise sehr schnell ausgebucht waren („Damit ich sicher einen Platz bekomme!“).

Doch dieses „Jetzt hab ich was Besseres vor (weil ich in Urlaub fahre, einen Auftrag reinbekommen habe, grad viel um die Ohren habe …)“ war für mich ein Problem: Denn plötzlich war ein Platz, der monatelang für andere blockiert war, kurzfristig nicht mehr zu vergeben.

Dazu kamen einige schwarze Schafe, die einen Workshop mitgemacht, aber hinterher nicht bezahlt haben – nur nach mehrmaliger Erinnerung oder sogar Androhung eines Mahnbescheides. Auch wenn es zum Glück selten solche Deppen gab, hat mich jeder Einzelne so sehr geärgert (das Prinzip!), dass ich mir das nicht länger antun wollte.

Die Umstellung auf Vorkasse war die beste Lösung: Diejenigen, die sich wirklich fix anmelden, haben damit kein Problem. Und alle anderen waren damit ausgesiebt. Meinen letzten Mahnbescheid habe ich vor bestimmt sieben Jahren gemacht! Und an Zahlung erinnern, das kommt ebenfalls nur ganz selten vor.

Bei Workshops explizit hinschreiben, was gemacht und nicht gemacht wird

Vor einigen Jahren hatte ich einige Male einen prinzipiell sehr guten Workshop: Es war eine Woche, bei der man irgendwelche Texte gemeinsam mit mir fertig machen konnte, völlig egal was. Wie so oft, gibt es immer Einzelne, die sowas ausnutzen und unrealistische Mengen an Texten „einfordern“, was letztlich dazu führt, dass man solche Angebote nicht mehr so frei anbieten kann.

Seitdem schreibe ich viel strenger hin, was ich in einem Workshop mache und was nicht. Was gleichzeitig ganz gut war, denn ich habe mich selbst eingebremst und nicht „mal schnell nebenbei“ in einem Workshop auch noch Firmennamen und andere Nebentexte mitverschenkt, was ich in den ersten Jahren ständig gemacht habe.

Bei Projekt-Tagen vorher festlegen, worum es gehen soll

Die Projekt-Tage (oder Halbtage) habe ich letztes Jahr auf einen Kundenvorschlag eingeführt. Es hat sich bewährt, die nicht sofort buchen zu lassen, sondern vorher abzuchecken, worum es gehen soll:

  • Manche wollen zu viel, schätzen also Zeit und Machbarkeit falsch ein.
  • Manche kommen mit einem Projekt, für das die gleichzeitige Anwesenheit am PC nicht sinnvoll ist (etwa, weil zwischendurch mehr Bedenkzeit nötig ist oder weil etwas in Eigenregie länger ausgearbeitet werden muss).
  • Manche wollen Projekte, für die ich nicht die Richtige bin oder die ich machen könnte, aber nicht mehr will.
  • Teilweise ist ein Workshop die empfehlenswertere Variante oder ein Coaching, das nicht am selben Tag stattfindet. Das ist unterm Strich teilweise günstiger als der Projekt-Tag.

Viele Projekt-Tags-Anfragen lehne ich deswegen entweder ab oder es mündet in eine andere Form des Auftrags.

Nicht geklappt hat der Versuch: Was ist dir meine Leistung wert?

Es klingt theoretisch sehr schön: Man arbeitet für jemanden und der andere bezahlt, was es ihm wert war. Immer wieder hört man davon, dass Leute ihr Business so aufziehen.

Darum habe ich einige Male einen ähnlichen Versuchsballon gestartet. Bei mir hat es sich nicht bewährt – die wenigen Versuche waren viel zu extrem: Die einen haben so gravierend unterbezahlt, dass mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind. Andere waren so hoch, dass ich mich zwar einerseits freue, dass meine Arbeit das wert war, ich aber in sich so überhaupt keine Gerechtigkeit bei meinen Kunden untereinander sah. Sprich: Es war weder vom Einkommen her verlässlich, noch war es aus meiner Sicht gerecht.

Pauschale statt Stundensatz

Ich bin sehr schnell, darum gab es immer wieder Projekte, wo sich der Stundensatz nicht bewährt hat: Firmennamen und -dächer, Slogans, etc. Also alles, das für ein Business wichtige Basis ist – und für die andere Tausende von Euro verlangen, waren bei mir durch den Stundensatz übermäßig billig. Über die Jahre habe ich einige Leistungen daher für einige Zeit als Pauschale gestaltet. Die waren dann immer noch sehr viel günstiger als bei anderen, aber für mich persönlich stand es in einem OK-Verhältnis.

Nun gibt es natürlich Projekte, die so groß sind und sehr stark vom Kunden mit abhängen, dass man keine Pauschale machen kann. Für diese Fälle bin ich beim Stundensatz geblieben.

Es gab noch einen weiteren Grund, warum ich bei Coaching-Angeboten mehr und mehr auf Pauschale umgestiegen bin: Die Arbeit auf Stundensatz war zu kleinteilig – es kam zu viel durcheinander rein, aber vieles in kleinen Coaching-Schritten (z. B. an einzelnen Texten arbeiten) – das macht alles anstrengender und schlechter planbar. Darum habe ich meine Coaching-Angebote über die Jahre stetig verändert und stärker eingegrenzt. Superkleine Aufträge, wie einzelne Blogtexte, mache ich schon seit Jahren nur noch in Workshop-Form.

Umständliche Kunden gar nicht erst annehmen

Ich habe das Glück, dass ich seit langem zum Großteil mit treuen Stammkunden zusammenarbeiten darf. Natürlich kommen jedes Jahr neue Kundinnen und Kunden dazu. 🙂

Doch ich lehne häufig auch Aufträge von vornherein ab: Nämlich dann, wenn ich in der ersten E-Mail schon merke, dass da jemand äußerst umständlich ist. Ich habe in einem zweiteiligen Artikel beschrieben, was ich mit „umständlich“ meine, und das bezieht sich einerseits natürlich darauf, wie man gerne arbeiten will. Andererseits hat es Auswirkungen auf das Finanzielle: Bei Pauschalen ist die Gefahr groß, dass sich der Auftrag hinten und vorne nicht rentiert, weil der Aufwand deutlicher größer sein wird. Bei Stundensätzen summiert es sich teilweise so, dass es entweder zu teuer wird oder dass ich auf Aufwand sitzenbleibe, den ich nicht berechnen kann.

Nicht immer ist das von vornherein absehbar. Und sicherlich habe ich dem einen oder anderen schon abgesagt, obwohl die Zusammenarbeit anschließend vielleicht reibungsloser verlaufen wäre. Doch auch hier baue ich auf meinen Erfahrungen und die Wahrscheinlichkeit, dass die negativen Auswirkungen auftreten sind bei bestimmten Auftakt-Mails sehr groß.

Zwischen-Rechnungen bei größeren Projekten

Das hab ich ohnehin schon immer gemacht – und es ist etwas, das viele Kunden gut finden, weil sich dann das Finanzielle etwas verteilt. Manche wünschen sich auch in Coachings explizit Zwischenrechnungen alle paar Stunden.

Hier habe ich gerade bei Selbstständigen, die für größere Unternehmen arbeiten, schon extreme Horrorgeschichten gehört: Teilweise haben sie ein halbes Jahr hauptsächlich für einen Kunden gearbeitet, am Ende aber nie Geld gesehen.

Ratenzahlung oder später zahlen

Hin und wieder bin ich von Leuten angesprochen worden, dass sie mich jetzt brauchen, aber momentan kein Geld haben. Oder dass sie sich für einen Workshop anmelden möchten, aber nicht in der Lage sind, sofort zu bezahlen.

Nun finde ich es immer gut, wenn jemand offen ist – das schürt auch bei Neukunden das Vertrauen, dass man eine verlässliche Lösung findet.

Meine Erfahrung damit ist: Wenn jemand von sich aus einen klaren Vorschlag macht, bis wann er was zahlen wird, ist die Wahrscheinlichkeit riesig, dass es klappt. Je schwammiger jemand was in den Raum stellt, desto weniger haut es hin. Hier konnte ich auf die Erfahrungen meiner ersten zehn Jahre Selbstständigkeit bauen: War die Anfragemail sehr vage, habe ich mich auf so etwas gar nicht erst eingelassen. Sobald bereits die Anzahlung oder eine nächste Rate verspätet war, habe ich die Reißleine gezogen.

Seit ich schreibnudel.de mache, hatte ich pro Jahr vielleicht zwei Fälle von Ratenzahlung, die sehr konkret vereinbart war (zu welchem Datum welcher Teil-Betrag auf meinem Konto ist), und die haben immer hervorragend geklappt.

 

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Seit 1999 bin ich selbstständig, seit einigen Jahren aufs Schreiben spezialisiert. Das Wichtigste, wenn man Neues lernen und besser werden möchte, ist das Dranbleiben. Damit das gelingt, braucht es Neugier und Spaß an der Sache. Das wiederum erfordert, dass man sich traut, nicht perfekt zu sein.