Lesernutzen

Unterlagen bei Trainings oder Vorträgen: Was soll der Leser damit tun?

Gelegentlich überarbeite ich mit Kunden ihre Teilnehmerunterlagen – dazu gibt es jede Menge zu sagen. Heute will ich mal kurz auf die grundsätzliche Form zu sprechen kommen. Denn die ist davon abhängig, was die Leser damit tun sollen.

Viel zu oft verstauben Unterlagen in der Schublade

Denk mal zurück an Kurse, die du selbst besucht hast, oder Unterlagen, die du nach einer Präsentation bekommen hast: Welche davon hast du anschließend wirklich praktisch genutzt? Meistens freut man sich, irgendwas in der Hand zu haben, aber dann wird es abgeheftet oder – wenn es ausnahmsweise richtig gute Unterlagen sind – „für später“ aufgehoben. Das wars dann.

Kunden sind mitunter ratlos, wie sie Unterlagen überhaupt angehen sollen:

  • Die einen meinen „viel hilft viel“, stellen einen halben Roman zusammen oder machen die Schrift riesengroß, sodass ein eindrucksvoller Seitenstapel zusammenkommt.
  • Die anderen drucken einfach ihre Powerpointpräsentation aus.
  • Wieder andere machen ein Fotoprotokoll ihrer Flipcharts (was dann bestens funktioniert, wenn die Flipcharts auch aussagekräftig und ansehnlich sind, was nicht immer gegeben ist).

Was noch dazu gerne außen vor bleibt: Der Marketing-Effekt richtig guter Unterlagen. Und mit „richtig gut“ meine ich, dass die Handouts „ein Gesicht haben“, deine Persönlichkeit reinbringen, vor allem aber den Lesern – und potenziellen Kunden beziehungsweise Multiplikatoren – was bringen. Damit sind wir bei der Kernfrage: Was soll der Leser mit deinen Unterlagen tun?

Ein Handout bei einem Vortrag

Es kommt immer auf die Veranstaltung an: Hältst du einen Vortrag für Kollegen oder für bestehende Kunden? Ist der Vortrag angedockt an eine andere Leistung, die du mit derselben Zielgruppe durchführst – etwa eine Auftakt- oder Abschlussveranstaltung?

Oder ist es ein einmaliger Impulsvortrag in einem Unternehmen?

Vielleicht hast du einen begehrten Platz im Rahmenprogramm einer Messe ergattert und der Vortrag soll die Besucher an deinen Stand bringen … oder eben später dafür sorgen, dass man … ja, was? Auf deine Website schaut? Deine Kernbotschaft aus dem Vortrag für sich reflektiert oder etwas Bestimmtes daraus umsetzt?

Je nachdem, worum es dir geht, kann ein gutes Handout nämlich auch nur eine Karte sein [nein, keine reine Werbekarte] oder zwei, drei Seiten lang – und damit viel mehr bringen.

Erst, wenn du vorher für dich konkretisierst, was die Leute mit dem Handout tun sollen, kannst du wissen, welches Format, welches Layout, welchen Umfang und welche Inhalte (Was + Wie) die Unterlagen idealerweise haben.

Unterlagen nach einem Training

Leider gibt es nach wie vor sehr viel Frontalunterricht mit Powerpoint-Schlachten. – Ich will niemandem auf die Füße steigen, denn natürlich ist Präsentationssoftware sehr hilfreich und es gibt sehr gut gemachte Trainings. Doch Ihr wisst bestimmt, welche Art von Trainings ich meine. Das Problem bei Unterlagen, die einfach nur ausgedruckte „Folien“ sind:

  • Es sind meistens zu viele.
  • Die Informationen sind in der Regel ohne mündliche Erklärung nicht sonderlich aussagekräftig, sondern es sind meistens Schlagwörter in irgendwelchen Kästchen, Diagrammen oder mit Agenturbildern, nutzen also kaum was.
  • Und dann gibt es noch diejenigen, die in ihre Schaubilder sehr viel Eigenwerbung einbringen, weil sie denken, es bringt ihnen mehr.

Doch gerade bei einem Training ist wichtig, dass es einen nachträglichen Effekt hat. Viel zu viele Seminare verpuffen. Selbst wenn du gute Bewertungen bekommst und die Leute happy rausgehen, weil der Tag so kurzweilig oder produktiv war: Fast immer schlägt bereits morgen der Alltag wieder zu und alles läuft weiter wie vor deinem Training.

Hier kommen die Unterlagen ins Spiel: Wenn du vorher weißt, was deine Teilnehmer danach anders machen sollen, dann kannst du von vornherein das sinnvollste Format bestimmen.

  • Sollen sich die Teilnehmer an etwas besonders erinnern, also im Alltag bestimmte Kernpunkte, die du betont hast, vor Augen halten?
  • Sollen sie zwei bestimmte Dinge ab morgen tun?
  • Sollen sie sich sortiert an deiner Methode + Tipps entlanghangeln können?
  • Oder sollen sie im Selbststudium alles noch mal vertiefen oder für ihre eigene Situation/Vorhaben überdenken können?

Je nachdem, was das Thema, die Lage der Zielgruppe und deine Ziele dafür sind, ergibt sich das beste Format. Das kann bedeuten, dass deine Unterlagen überhaupt nicht 1:1 auf das eingehen, was du vermittelt hast, sondern dass du als Zuckerl ein paar gut ausgearbeitete Checklisten austeilst. Oder dass du eine Mischung machst zwischen Merkern für die Pinwand und praktischer Hilfe, die Kernpunkte für sich selbst noch mal zu hinterfragen, oder oder oder.

Sieh also Trainingsunterlagen nicht einfach als Abbildung dessen, was du alles sagst, sondern frag dich vorher immer: Was soll der Leser mit den Unterlagen tun? – Es kann dir natürlich passieren, dass du bei der Frage merkst, dass du das gesamte Training sehr viel zugespitzter angehen solltest. Gut so!

Gerade wenn du viele unterschiedliche Themen trainierst, ist das Erstellen guter Unterlagen ganz schön arbeitsintensiv. Umso besser, wenn du ein gut durchdachtes, straffes Format hast.

Wenn es den Lesern handfest was bringt, bringt es dir mehr

Da sind wir wieder beim Mehrwert: Wann immer das, was du schreibst, unmittelbaren Nutzen bringt – also nicht nur hübsch aussieht, sondern dafür sorgt, dass deine Leser einen Aha-Effekt haben oder/und durch die Unterlagen etwas anders, besser in ihrem Alltag machen, hast du die Nase vorne. Denn dann merkt man: Das, was du machst, hat sofortige Auswirkungen – es lohnt sich,

  • bei dir näher auf der Website zu stöbern,
  • dich weiterzuempfehlen
  • und zu beauftragen.

Alles, was du rausgibst, kann eine richtig wertvolle Marketingmaßnahme für dich werden. Nicht durch großartige Eigenwerbung, sondern dadurch, dass die Empfänger handfest was davon haben.