deine Leser

Wer ins Tun bringen will, muss sich wirklich reinversetzen

Fotoapparat Berge

Hier im Blog dreht es sich immer mal darum, wie du deine LeserInnen ins Tun bringst – und dass das gar nicht so leicht ist! Denn nur weil du einen schönen Text und gute Argumente bringst, heißt das noch lange nicht, dass jetzt was passiert.

Diejenigen unter euch, die schon in Workshops waren, wissen, dass die wichtigste weichenstellende Frage ist: Was soll der Leser wissen, können oder tun?

Denn das macht von vornherein einen großen Unterschied, wie du den Text anpackst, was und in welcher Form du einbringst. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ich bei einem Thema nur bestimmte Informationen vermitteln will – oder ob mein Anspruch ist, dass der Leser für sich aktiv wird:

  • Eine Übung macht.
  • Etwas für sich ehrlich reflektiert und so hingeführt wird, dass er das überhaupt in einer Form tun kann, die sicherstellt, dass er mit den Ergebnissen tatsächlich etwas anfangen kann.
  • Oder sogar eine klare Entscheidung trifft beziehungsweise jemanden mit etwas konfrontiert, z. B. sich etwas nicht länger gefallen lässt, ein schwieriges Gespräch führt.

Bei Persönlichkeits- und Lebensthemen gibt es Besonderheiten:

Was meine ich? – Wenn ich ein Kochrezept veröffentliche, über eine Fremdsprache blogge oder Computertipps gebe, ist diese Information für alle gleich. Allenfalls gilt es, die Erklärungen dem Wissensstand deiner Zielgruppe anzupassen: Doch auch dann wirst du nur prinzipiell unterscheiden, zum Beispiel laiengerecht erklären, was zu tun ist. In dem Moment, wo du über Gefühle, Verhaltensweisen und persönliche Entscheidungen schreibst, wird es deutlich anspruchsvoller …

Vorab reindenken

Je nach Thema ist es also wichtig, sich vorab differenzierter reinzuversetzen, z. B. für sich klarer zu kriegen:

  • Worum geht es für den Leser?
  • Was steht für sie/ihn auf dem Spiel – tatsächlich oder befürchtet?
  • Was wühlst du gegebenenfalls auf? z. B. Konfrontieren mit unguten Gedanken und Erinnerungen
  • Wie gut, ehrlich und fair kann der Leser sich, andere und die Situation in Eigenregie einschätzen?
  • Fühlt sich der Leser durch Inhalte beziehungsweise Formulierungen positiv gestärkt/gepusht oder eher entmutigt/unter Druck gesetzt? z. B. ein „du musst nur“, „es geht ganz einfach“ kann nach hinten losgehen, weil der Leser sich unter Umständen schlecht fühlt, dass etwas vermeintlich so einfach ist, aber er selbst es nicht kann, sich nicht traut, …
  • Welche festen Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen sind verinnerlicht?

Als Fachleute kennen wir sehr wohl die Kernpunkte – und durch die Arbeit mit unseren Kunden typische Muster. Wenn ich also weiß „der Leser hat speziell mit xy zu knabbern“ oder „die Leserin hat enorme Angst davor, dass z eintritt“, dann kann ich das mit einbeziehen, Fragen, Ängste und Vorbehalte vorwegnehmen – kurz: Der ganze Text verändert sich vom Inhalt her und vom Ton.

PS: Hast du die Zielgruppe überhaupt konkretisiert?

Manche schreibende Selbstständige machen sich kaum Gedanken über die Zielgruppe pro Artikel. Sie gehen davon aus, dass die Zielgruppe für ihr Business insgesamt immer für jeden Artikel gilt. Doch das stimmt nicht!

Das Thema – oder was daran dich am meisten interessiert – gibt oft genauer vor, für wen du einen bestimmten Artikel schreibst: Eine bloggende Führungskräftetrainerin will nicht allgemein übers Delegieren referieren, sondern wendet sich mal an Führungskräfte, die denken „wenn ich es nicht mache, ist es verkehrt“ und ein andermal gibt es einen Artikel, wie man Kritikgespräche führt, auch wenn man selbst total Schiss davor hat.

Wenn ich ein Blog über Erziehung habe, ist es von Haus aus eine völlig andere Ausgangslage, wenn ich mich an berufstätige Eltern wende oder es um ein geschiedenes Paar geht. Manchmal ist das Alter der Kinder relevant – und sowas bringt von Haus aus den Kopf auf ein viel konkreteres Denk-Gleis. Ich kann mich dann von vornherein auf die Perspektive – und die Realität – meiner angestrebten Zielgruppe ganz anders einschießen.

Egal in welchem Fachgebiet du bist: Nur wenn du weißt, für wen die Hinweise in dem Artikel, den du gerade schreibst, gedacht sind, kannst du dich wirklich hineinversetzen – und alles dafür tun, dass deine LeserInnen tatsächlich ins Tun kommen wollen + können.