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7 x Lichtblicke schenken

Eine surreale Situation, schrieb mir ein lieber Kunde. Genau das trifft es! Von heute auf morgen ist alles unbekannt, unvorstellbar und unberechenbarer. Alle paar Tage verändert sich die Lage. Das bedeutet auch, dass Corona – die Entwicklung, Beeinträchtigung, Sorgen und Ängste – immer beherrschender werden.

Wo man hinliest, hinschaut, mit wem man redet – es scheint nur noch ein Thema zu geben. Den Rest erledigt der eigene Kopf, wo das Sorgenvolle mehr oder weniger dominiert und weitere Blüten treibt.

Darum lasst uns in der zweiten Folge von 7 x 7 Lichtblicke schenken!

zum Beispiel:

1. Es ist beste Zeit für Komplimente!

Ob mit oder ohne Anlass: Sagt oder schreibt anderen, was Ihr toll an Ihnen findet:

  • Was ich so super an dir finde, …
  • Es bedeutet mir sehr viel, dass …
  • Ich schätze/liebe/bewundere, …
  • Herzlichen Dank für …

Das kann 1:1 sein, also direkt an die betreffende Person gerichtet. Es kann ein Kompliment sein, das andere mitbekommen dürfen. Es kann ein „Hut ab“ für eine bestimmte Personengruppe oder Firma sein. Es ist so schön, wenn man insgesamt mitbekommt, dass es Positives gibt – dass sich Menschen wunderbar verhalten, sich unterstützen, kleine Gesten machen, und es eben nicht nur Egoisten gibt, wie es derzeit manchmal scheinen kann, wenn man im Netz mitliest.

Der Clou dabei ist das Konkretwerden, denn das macht ein Lob oder Kompliment noch viel glaubwürdiger.

„Glaubwürdiger?“ – Ja! Ich habe früher oft Kurse und Coachings rund um Selbstmarketing gemacht. Nicht blödes Angeber-Selbstmarketing, sondern ausgehend von sich selbst: Wie denke ich über mich, was relativiere ich, was halte ich für selbstverständlich … Licht unter den Scheffel stellen, etc. Und dabei habe ich erstaunlicherweise immer wieder festgestellt, dass viele Leute mehr Probleme mit Lob haben als mit Kritik!

Je konkreter Lob ist, desto stärker kommt es an – und desto weniger springt das innere Relativieren an (sogar, wenn manchmal nach außen trotzdem ein Abwinken kommt). Zudem kann es inspirieren, denn eine bestimmte Qualität, Verhalten oder Geste ist einem selbst vielleicht noch gar nicht in den Sinn gekommen.

Also lasst uns am Telefon, per E-Mail, auf Social Media öfter – und gezielt – Komplimente machen! Das muss kein großes Brimborium sein, einfach nur im Alltag mal aussprechen, was wir uns oft nur denken oder anderen erzählen.

Das geht als Projekt für Leute, von denen du zurzeit getrennt bist. Ich habe mal (damals zum Geburtstag) einer Freundin ein Alphabet gemacht: Alle ihre Eigenschaften, die ich besonders schätze, richtig individuell auf sie zugeschnitten begründet. Das war auch für mich sehr schön, denn ich habe mich viel intensiver damit befasst, was ich alles an meiner Freundin schätze – und habe.

Doch ich meine genauso Kleinigkeiten, z. B. online: Ein Tweet hat dich total zum Lachen gebracht, was dir gerade richtig gut getan hat – schreibs hin, statt nur aufs Herzal zu drücken. Du findest ein Foto phantastisch, dann teil es nicht einfach nur, sondern schreib einen Kommentar dazu und beziehe @Fotografen mit ein.

2. Testimonials/Rezensionen schreiben

Das geht Hand in Hand mit den Komplimenten, ist dennoch ein anderes Paar Stiefel: Vielen Firmen und sonstigen Organisationen geht es gerade schlecht: die einen müssen sich größeren Risiken aussetzen, die anderen bangen, weil ihnen Aufträge wegbrechen – teils über die nächsten Monate.

Alle von uns sind irgendwo Kunde: Beim Zahnarzt, beim Sportstudio, beim Friseur, beim Maler, im Tattoostudio, bei der Physiotherapie, im Café oder der Pizzeria, und und und. Im normalen Alltag denken wir nicht immer dran oder haben schlichtweg keine Zeit, einen „O-Ton“ zu schreiben – direkt oder im Internet.

Doch gerade die Rezensionen im Netz sind heutzutage besonders wertvoll.

Wer gerade zwangsweise mehr Zeit hat, hat die Gelegenheit, einem Business, das er sehr schätzt, unter die Arme zu greifen. Das ist wertvolles Kapital, weil sie noch einfacher Kunden gewinnen. Vor allem aber freuen sie sich gerade momentan, wenn plötzlich verstärkt positive Bewertungen kommen. Gerade jetzt, wo nicht viel läuft, gibt das Rückenwind.

Denk dabei an Firmen, bei denen du Kunde warst: Vielleicht hast du vor einem Jahr eine Ernährungsberatung gemacht oder ein super Klempner hat dir aus der Patsche geholfen.

Eine Rezension muss keine Riesensache sein, sie kann nur drei Zeilen haben. Wenn du es etwas ausführlicher machen möchtest, gibts hier Hilfestellung:

Ich schreibe ein Testimonial

Übrigens: Es geht nicht um Lobeshymnen! Manchmal findet man ein Unternehmen gut, hat aber eine kleine Einschränkung – oder man fände etwas wichtig, das nicht erfüllt ist. Sowas hat Platz und soll nicht von einer Rezension abhalten: Gerade das Konkretwerden hilft anderen, denn so können sie eine Aussage klarer einordnen.

3. Was Gutes im Huckepack

Einige machen das schon automatisch: Den weniger guten Nachrichten oder blöden Konsequenzen gleichzeitig etwas Gutes abzugewinnen.

Meine Kunden sind EinzelunternehmerInnen – und einige Freunde auch: Bei fast allen waren die letzten Tage von einprasselnden Stornierungen dominiert. Das ist alles andere als beruhigend, und doch haben alle, mit denen ich zu tun hatte, ihre Lichtblicke ausgesprochen:

  • Mist, der Terminkalender leer, andererseits hab ich auf einmal die Zeit, xy fertigzumachen.
  • Ehrlich gesagt bin ich ganz froh über dieses zwangsweise Runterfahren, denn ich bin die letzten Jahre immer auf Anschlag gefahren und komme jetzt mal zum Verschnaufen.
  • Oha, ich merke, dass ich mit meiner Firma zu eng aufgestellt bin. Ich hab das bisher nie infrage gestellt – aber jetzt mach ich mich mit digitalen Alternativen vertrauter, um zu sehen, was es so gibt.
  • Das Gute ist, dass die Leute aufmerksamer werden und wenn das alles vorbei ist, gibt’s ein paar sinnvolle neue Gewohnheiten, die allen nützen – obs das verstärke Händewaschen ist, das Niesen/Husten in die Armbeuge oder dass einige Firmen mehr Home-Office erlauben.

Das gilt natürlich auch fürs Privatleben, z. B.

  • Home-Office ist echt schwer, aber ich genieße es, endlich mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen – und zwischendurch zu spielen, anstatt immer nur morgens und abends schnell-schnell.
  • Ich habe auf einmal viel mehr Kontakt mit meinen Eltern – wenngleich nur per Telefon/Messaging/Video – das bringt uns wieder näher.

Es geht nicht um rosarote Brille, sondern das Wahrnehmen – und Aussprechen – der positiven Dinge.

Das hat einen wichtigen Neben-Effekt, denn wenn wir diese Dinge wahrnehmen, können wir sie wertschätzen und etwas damit machen:

  • Wenn wir es aussprechen, schaffen wir für uns ein Gegengewicht und nehmen Optionen war, die Ausgangspunkt für Pläne sein können.
  • Wir regen automatisch andere an, nach solchen guten Dingen Ausschau zu halten. Das ist wichtig, denn gerade, wenn wir im Negativen strudeln, kommt es oft zu einem Tunnelblick. Dann machen wir uns zusätzlich kirre + mutlos.

Darum: Lasst uns aufs Huckepack achten!

4. Pläne schmieden

Das gilt nicht nur fürs Business: Gemeinsam Pläne zu schmieden – Was machen wir, wenn die Normalität zurückkehrt, wohin fahren wir mal gemeinsam? Wie holen wir den Geburtstag oder die Hochzeit nach? … All das lässt sich im Detail wunderbar ausmalen und bereits vorplanen.

Wer jetzt arbeitsmäßig eine Zwangspause hat, kann es als Zäsur sehen, eine Bestandsaufnahme seines Business zu machen + neue Weichen zu stellen.

Oder es gibt endlich die Zeit, sich mit etwas intensiver auseinanderzusetzen: Vielleicht tatsächlich mal zu prüfen, ein digitales Standbein aufzuziehen. Oder den langgehegten Wunsch nach einem Buch zu erfüllen.

Ob detaillierte Pläne fürs Danach, Entscheidungen für neue Weichen oder schon erste ganz konkrete vorbereitende Schritte: Es ist ein absoluter Lichtblick und gibt Rückenwind, wenn du dich auf das konzentrierst, was du dir künftig ermöglichst, anstatt nur reaktiv abzuwarten.

Meine BlogleserInnen sind meistens Selbstständige, einigen ist jetzt die Struktur von außen komplett flöten gegangen. Da kann es passieren, dass die freie Zeit ein wenig in Lähmung ausartet und man Tage verdödelt. Sowas ist natürlich ganz normal, erst recht in so einer Situation. Doch wir haben noch einige Wochen und Monate vor uns, die sehr eingeschränkt und anders für uns werden. Darum ist es gut, sich selbst Pläne und Aufgaben zu stecken. Das fühlt sich gleich viel besser an und es gibt ein Stück weit Kontrolle zurück.

Wichtig ist, Ihr ahnt es schon: Konkret und handfest werden. Nicht einfach Wunschzettel schreiben, was man alles gern machen würde, sondern differenzierter reingehen – und idealerweise dann schon konkrete Schritte anpacken.

Noch besser geht das, wenn Ihr andere einbindet: Weil sie mit betroffen sind und Ihr ihnen damit einen Lichtblick schenkt – oder aber, weil es ein Aufruf ist à la „Lasst uns das zusammen machen – jeder mit eigenen Plänen“. Das kann mit einer Freundin sein oder in einer Facebook-Gruppe, oder oder oder. Meistens braucht es nur einen, der etwas anstößt – und schon fließen Tatkraft und Zuversicht.

5. Gib Aufträge!

Es ist bemerkenswert, wie offen und flexibel einige kleinere Firmen sind: Buchläden, die geschlossen haben, aber dennoch Bestellungen ausliefern. Cafés, die sagen: Bitte kauft Gutscheine, damit Ihr uns über die nächste Zeit helft. Yogastudios o. Ä., die darum bitten, dass der Monatsbeitrag weiterlaufen kann. Künstler, die auf Online-Shops verweisen …

Es gibt so viele gute Ideen und Unterstützer!

Beim Lichtblicke schenken sind wir jetzt am Zug:

  • Die kreativen Ideen, die derzeit rundgehen, in Anspruch nehmen.
  • Gerade die kleineren Anbieter unterstützen – auch wenn sie derzeit geschlossen haben oder keine Gutscheine verkaufen: Einfach mal optimistisch einen Termin etwas weiter in der Zukunft ausmachen. Wir wissen nicht, wie sich alles entwickelt – und vielleicht muss man in einigen Wochen noch mal umdisponieren. Egal: Es ist ein verdammt gutes Gefühl für Unternehmen, wenn sie neue Termine reinkriegen und nicht immer nur Stornos.
  • Wenn du es finanziell kannst, kauf direkt ein: Viele Seminare oder Coachings werden online durchgeführt. Und bei Produkten können wir jetzt das eine oder andere neu entdecken, ob Bücher, Online-Kurse oder selbstgemachte Waren. Ingrid Heuser von wandklex malt u. a. Tierportraits für Schmuck. Sie packt Geschenke liebevoll und verschickt sogar direkt. Bei Sarah von friesenfliesen.de gibts handbemalte Keramik.

… und das sind nur zwei Beispiele von vielen!

Let’s stöber!

6. Online gemeinsame (private) Sache machen

Viele von uns verlagern private Kontakte derzeit online. Für einige von euch sind Videokonferenztools eh bereits im Repertoire, andere sind Neulinge.

Ein wunderbarer Lichtblick ist es, auf das Gewohnte nicht verzichten zu müssen. Ein super Beispiel habe ich von Petra auf Twitter gelesen:


Sie postete u. a.:

„Einmal in der Woche gehe ich zum Yoga, was ja momentan nicht mehr möglich ist. Also habe ich meine Yogalehrerin mit dem Online-Tool Zoom vertraut gemacht, habe eine Kurzanleitung für meine Yoga-Schwestern geschrieben und tadaaaa – wir hatten einen wunderbaren Yogaabend! Für alle (außer mich 😁) war es natürlich ungewohnt. Aber die Rückmeldungen sind positiv, und nächste Woche tun wir es wieder!“

Das ist großartig! Und so viel persönlicher, als irgendein youtube-Tutorial alleine durchzumachen.

Oder Kathi:

Klasse! Das ist spannend und bringt Normalität rein. Und mit etwas Phantasie müssen wir auf viel weniger verzichten, als gedacht.

PS: Eltern oder Großeltern sind entweder schon technikfit oder können herangeführt werden. Da ich bisher Videotelefonie gar nicht genutzt habe, habe ich letzte Woche in die Runde gefragt. Wer Tipps braucht, kann sich die hilfreichen Antworten durchlesen (auf den Tweet klicken):

7. Bring dich und andere zum Lachen!

Mach was Schräges, Lustiges, Unerwartetes. – Lachen befreit.

Einigen ist es eine zweite Natur, andere vergessen es in sorgenvollen Phasen. Immer ist es eine Erleichterung!

Überrasche Freunde oder Familienmitglieder. – Hab bei der Videotelefonie einen lustigen Hut auf oder binde dir ein Kopftuch um. Schick ein Späßchen rum. Oder lade andere ein, bei irgendwas mitzumachen. Vielleicht hast du ja auch ein heimliches Talent?

Wer auf Social Media ist: Es hilft enorm, einigen Tier-Accounts zu folgen, um die Timeline in ein Gleichgewicht zu bringen. 🙂 Mich bringt beispielsweise Chunk the Groundhog (ist auf youtube und Instagram) immer zum Grinsen:

 

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Seit 1999 bin ich selbstständig, seit einigen Jahren aufs Schreiben spezialisiert. Das Wichtigste, wenn man Neues lernen und besser werden möchte, ist das Dranbleiben. Damit das gelingt, braucht es Neugier und Spaß an der Sache. Das wiederum erfordert, dass man sich traut, nicht perfekt zu sein.