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7 x straffen üben

Wer im Schreibcoaching war oder fleißig im Blog mitliest, weiß, dass bei mir die eigentliche Arbeit vor dem Schreiben passiert: Wir starten mit einem klaren Plankton-Arbeitstitel, stellen klare Weichen für den Text und denken die Kerninhalte voraus. Dann ist es Zeit für den Quick & Dirty-Entwurf.

Details zu den empfohlenen Etappen gibt es in den Schreib-Basics.

Erst wenn der Entwurf fix und fertig ist, geht es ans Polieren. Neben Hübschmachen und Korrekturen solltest du immer gezielt straffen. Denn wenn du deine Texte regelmäßig zusammenzurrst, übst du automatisch, wie du …

  • deine Texte lesefreundlicher machst,
  • kraftvoller und vielseitiger formulierst,
  • den Nutzen verdichtest.

Schreiben wir fürs eigene Blog, gibt es keine Vorgaben zum Umfang. Dennoch hatte ich dir schon mal vorgeschlagen, deinen Text gezielt um einige Hundert Zeichen zu kürzen.  

Lass uns an dieser Stelle näher anschauen, wo sich immer viel Straffpotenzial verbirgt:

1. Gelaber streichen

Jeder labert. Übrigens auch bei kurzen Texten. Besonders, wenn du meinen Tipp beherzigst, den ersten Entwurf quick & dirty in einem Rutsch runterzuhacken. Gelaber kann bedeuten, dass du dasselbe in anderen Worten noch mal sagst, etwas viel zu ausschweifend oder umständlich ausdrückst. Es kann jedoch ganz einfach eine individuelle Angewohnheit sein: Manche Menschen neigen dazu, bei Adam und Eva anzufangen. Ich habe die Neigung, mich teilweise „einzuschreiben“, sodass ich meistens den ersten Absatz ersatzlos streichen kann.

2. Passagen eindampfen

Es gilt der gute alte Rat, sich den Text aufs Ohr zu geben: Beim lauten Lesen merkst du sofort, wenn Passagen zu umständlich geraten sind. Wie geht es kürzer und mehr auf den Punkt?

Manchmal sagen mir Kunden in Workshops: „Du kannst das so super mit dem Straffen, das würde mir nie einfallen!“ – Würde es schon: Du brauchst dir nämlich nur laut vorsagen, wie du das, was da „in umständlich“ steht, jetzt und hier sagen würdest. Lies dir erst laut die umständliche Stelle vor und dann sag laut, was du damit meinst. Das ist meist das perfekte Endergebnis. Probiers!

3. Beispiele abklopfen

Grundsätzlich sind Beispiele eine gute Sache: Im Idealfall dienen sie dazu, deinen LeserInnen deutlicher zu machen,

  • wie etwas gemeint ist,
  • wie es genau umsetzbar ist,
  • und natürlich um die Identifikation zu erhöhen.

Aber Achtung: Beispiele haben ihre Tücken!

Es kann sein, dass du ein Beispiel drin hast, das total unnötig ist, weil du deinen Punkt bereits eindeutig gemacht hast. Es kann sein, dass dein Beispiel den Lesefluss stört … und sogar den Leser auf ein anderes Gedankengleis bringt. Oft sind wir so stolz auf ein Beispiel oder meinen, der Text ist damit noch praxisnaher, dass beim Straffen die Beispiele unbedingt bewahrt werden. Dabei sind sie sehr häufig nicht nötig (oder funktionieren besser in reduzierter Form).

4. Gedankenschleifen raushauen

Beim Schreiben fällt einem oft spontan was ein. Wenn man jetzt nicht aufpasst, dreht sich der Text im Kreis. Das Killen von Gedankenschleifen kann bedeuten, dass du die Reihenfolge optimierst. Es kann bedeuten, dass eine Gedankenschleife komplett wegfällt. Oft ist es eine Mischung: Du stellst Aussagen zusammen, die zusammengehören, und kommst dadurch mit weniger Wörtern aus.

5. Häufungen ausmerzen

Alles, was mehrfach vorkommt, ist zu viel: Die vielen UND am Satzanfang, endlose Aufzählungen, ständige Ausrufezeichen … Das ist teilweise eine Form von „Gelaber“, damit meine ich Floskeln oder andere individuelle Redemuster. Die sind nicht per se schlecht, es ist sogar sehr schön, wenn dein Text deine eigenen Sprachmuster zeigt, denn so klingt es nach dir!

Doch eine Häufung ist noch mal was anderes: Alles, was zu gehäuft auftritt, stört beim Lesen. Wie bei einem Redner, der andauernd „ähm“ sagt oder nonstop in Appellen reden würde.

mehr zu Häufungen: Aus Macken was machen

6. Einschübe auflösen

… Schachtelsätze, eingeschobene Nebensätze oder Gedanken in Klammern: Meistens braucht es den Einschub nicht. Straffen heißt aber nicht nur, darauf zu verzichten, sondern den Lesefluss zu optimieren. Das kann bedeuten, dass es nach dem Straffen gar nicht unbedingt weniger Zeichen sind, sich deine Inhalte aber sehr viel gestraffter und flüssiger lesen.

Wann immer du einen Einschub machst: Guck, ob du ihn auflösen kannst.

  • Ist der Einschub überhaupt nötig?
  • Wenn die Info relevant ist: Kannst du sie knackiger in den Satz einbauen oder ihr einen eigenen Satz spendieren?
  • Oder reicht ein hinterlegter link ohne weiteren Text?

Solche Einschübe sind manchmal Gedankenquerschläger, die die Türe zu einem verwandten Thema öffnen.

7. Neue Türen zulassen

Als Experte auf deinem Gebiet weißt du: Alles hängt zusammen. Darum schleicht sich gerne mal eine NEUE TÜRE ein: Man erwähnt eine Konsequenz oder reißt einen Zusammenhang an, der viel zu groß ist, um ihn in diesem Text auszuführen.

Das ist übrigens ein wichtiger Grund fürs Konzipieren. Denn wer ins Blaue schreibt, der driftet oft von einem Thema ins andere. Bei großen Projekten, wie Büchern oder Selbstlernkursen, kommt es dann zu einem wirren Hin und Her – von Doppelungen quer durchs gesamte Manuskript gar nicht zu reden.

Für neue Türen gilt: Steckt dahinter nicht ein link zu einem vertiefenden Artikel, ist es oft besser, den Gedankenquerschläger wegzulassen. Besonders, weil Leser enttäuscht sind, wenn sie dazu mehr wissen wollten.

Das sind keine großen Sachen!

Du siehst: Hinterm Straffen steckt keine Hexerei. Das kannst du alles selbst konsequent üben.

Und an noch etwas möchte ich dich erinnern, das gerne übersehen wird: Stimmt das Verhältnis von Hinführung und Lesernutzen? Eine simple Methode.