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Standpunkt zeigen: Ein Vorurteil geraderücken

In jedem Fachgebiet gibt es Überzeugungen, die man nicht teilt: Entweder etwas, das in der Branche als Wahrheit verkauft wird – oder Klischees, Vorbehalte, Schubladen potenzieller Kunden.

Das ist hervorragendes Futter für Artikel: Mit einem Vorurteil aufräumen oder dich von einer typischen Denke distanzieren, die dir auf den Keks geht!

Bevor du ein Vorurteil geraderücken kannst, musst du dir der Qualität deines Widerspruchs bewusst werden.

Die inhaltliche Qualität – Das WAS denke ich darüber?

 

= Du bist der Meinung, dass das Vorurteil oder bestimmte Aspekte daran durchaus ihre Berechtigung haben, jedoch etwas daran interpretierbar ist, Nebenwirkungen hat, o. Ä.

 

= Dieser Meinungstext stellt richtig: Er kommt mit einem Aber- und Wenn-Szenario. Oder er widerspricht. Er mahnt zur Vorsicht oder greift einen bestimmten Blickwinkel auf.

 

 

 

 

= Dieser Meinungstext widerspricht: Das kann ein Widerlegen sein, ein Aufreger, ein Sich-lustig-machen, das Aufzeigen eines Holzwegs oder sogar, dass es ein Schuss ins Knie ist.

Die emotionale Qualität – die Intensität deiner Meinung

Möchte man ein Vorurteil geraderücken, steckt dahinter immer persönliches Engagement. Sonst könnte dir das Thema ja egal sein. Frag dich also neben dem inhaltlichen Anteil immer, wie es dir gefühlsmäßig damit geht, z. B.:

  • Ärgert es mich? Wenn ja, in welchem Maße? Macht es mich stinkesauer oder bin ich genervt?
  • Könnte ich mit dem Kopf gegen die Tischplatte schlagen? Finde ich das Vorurteil total hirnrissig, weil es gefährlich ist, so zu denken – oder explodiert mir das Hirn, weil es so dumm ist, oder oder oder?
  • Macht es mich traurig? Und wenn ja: eher im rhetorischen Sinn, dass es „traurig ist, dass …“ oder bedrückt mich diese Ansicht so richtig?
  • Liegt mir das Thema am Herzen? Ist es mir ein echtes Bedürfnis oder finde ich es einfach schade, dass …?

Was steckt an persönlicher Leidenschaft dahinter?  Die Intensität bestimmt, was genau du wie im Text ansprichst.

So kommst du zum Plankton-Arbeitstitel

Bevor du dein Thema in einen Plankton-Arbeitstitel gießen kannst, gilt es darum, dir darüber klarzuwerden, worum es dir überhaupt geht. Dafür beantwortest du dir zunächst, ohne großartig zu formulieren, die folgenden Fragen:

Welches Vorurteil will ich geraderücken?

Die inhaltliche Qualität meiner Meinung:

  • Ich stimme eingeschränkt zu, weil … [ja, aber]
  • Da ist ein Denkfehler, weil … [uhoh]
  • Das ist unmöglich, weil … [Kopfschütteln]

Die emotionale Qualität = Intensität meiner Meinung


 

Keep it simple, aber klar. Ein Beispiel, wie das aussehen kann:

Welches Vorurteil will ich geraderücken?
Es wird immer behauptet, dass man alles erreichen kann, wenn man es nur genug will.

Die inhaltliche Qualität meiner Meinung:

Ja, aber … [eingeschränkte Zustimmung]

weil:

Klar ist das Wollen ein wichtiger Faktor, und klar kann man viel erreichen, doch da greift mir das mit dem Wollen + der  Willenskraft zu kurz. Es führt dazu, dass die Leute TRÄUMEN, VISUALISIEREN, etc. und im Wollen steckenbleiben. Das Wichtigere ist es, ins Tun zu kommen und dranzubleiben.

Die emotionale Qualität = Intensität meiner Meinung.
Mir geht da echt die Hutschnur hoch!

Mein Plankton-Arbeitstitel:
„Du kannst alles erreichen, du musst es nur wollen“ – Bullshit! Vom Wollen alleine hat noch niemand was erreicht, denn es geht ums Tun und, noch wichtiger, ums Dranbleiben

PS:

Der Plankton-Arbeitstitel ist die vorläufige Überschrift. Sie ist nur für dich, damit du dein Thema – und hier deinen Standpunkt – wirklich eindeutig hinschreibst. Darum ist der Arbeitstitel unverblümter, darf holprig oder länger ausfallen.

Gerade die emotionale Intensität ist wichtig, denn wenn hier „Bullshit!“ steht, dann fange ich als AutorIn mein „mir geht die Hutschnur hoch“ ein und denke dran, meine Argumente entsprechend formuliert reinzubringen. Bin ich im Arbeitstitel total neutral, dann wird auch der Text neutral ausfallen. Selbst, wenn ich gute Argumente bringe, bleibt der Meinungstext schwach auf der Brust.