Schreibfluss

Einen Multiple-Choice-Test schreiben: von hinten anfangen!

Heute will ich euch den Multiple-Choice-Test noch mal in den Fokus rücken – es geht nicht um psychologisch fundierte Tests, sondern darum, dass der Leser intensiver reflektiert. Das ist immer eine kurzweilige Angelegenheit und kann besonders bei heiklen Themen eine innere Barriere lösen.

Ein Multiple-Choice-Test ist ein besonders gutes Element für einen Ratgeber oder Selbstlernkurs und sogar – wenn euer Fachgebiet dazu passt – für eure Webtexte.

Solche spielerischen „Ich finde was über mich raus“-Texte werden besonders gerne im Netz geteilt – sofern sie gut gemacht sind.

Multiple-Choice-Tests sind populär

Jeder beantwortet gern Fragen über sich und freut sich darüber, eine kleine Auswertung zu lesen. Bei solchen Tests werden kleine Szenarien aufgebaut und der Leser ordnet sich der Antwortoption zu, die ihm am ehesten entspricht.

Beispiel aus Wie schlagfertig sind Sie?

Als Sie vorschlagen, bestimmte Arbeitsabläufe gemeinsam durchzugehen, um sie besser zu strukturieren, meint Ihre Kollegin: „Na, du musst ja viel Zeit haben!“

a) Eigentlich würden Sie gerne sagen: „Das sagt die Richtige!“, aber immerhin müssen Sie ja auch weiterhin zusammenarbeiten.

b) Was soll man darauf sagen? Sie sind ganz verdattert und ärgern sich im Stillen.

c) Sie lächeln, stemmen die Hände in die Hüften und erklären „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich!“

d) Sie sagen: „Ach, du kannst gerade nicht. Muss dein Nagellack noch trocknen?“

Die Vorgehensweise bei der Konzeption

Vor dem Schreiben so eines Tests ist eine sorgfältige Konzeption wichtig: Was genau ist das Thema? Wer ist die Zielgruppe? Was sind deine Ziele für die Leser?

Das bedeutet in diesem Fall, dass wir von hinten her beginnen, also erst die Auflösung festlegen!

Beim Schlagfertigkeitstest waren das diese Typen:

Typ A: traut sich nicht
Typ B: irgendwie blockiert
Typ C: charmant und wortgewandt
Typ D: ohne Rücksicht auf Verluste

Auf diese Weise ist es einfach, den Test zu schreiben, weil du ganz genau die Ausprägungen der Typen festgelegt hast.

Die Vorgehensweise, wenn du Ziele/Zielgruppe + Nutzen festgelegt hast, ist also:

Zuerst schreibst du die Auswertung pro Typ, zumindest im Entwurf. Mach die Auswertung immer gleich lang, denn die Typen sind gleichwertig. Kein Leser soll das Gefühl haben, dass sein Typ wichtiger ist, „schlechter“ oder zu kurz kommt.

Achtung: Ein häufiger Fehler bei den Auswertungen ist der Horoskop-Stil.

Jetzt überlegst du dir: Wie viel Platz habe ich zur Verfügung – und wie viele Fragen brauche ich, um einigermaßen repräsentativ den Typ zu bestimmen? Je mehr Typen, desto mehr Fragen sind nötig. Je mehr Fragen nötig sind, desto länger wird der Test. Das muss alles im Verhältnis bleiben.

Nun zuerst alle Fragen festlegen! Angenommen, du hast vier Typen und sagst, dann will ich 12 Fragen insgesamt haben, um eine gute Bandbreite an Szenarien anzusprechen. Bitte die Fragen gut überprüfen, hier werden oft irrtümlich zu nahe Fragestellungen gewählt, sodass es zu Doppelungen kommt – oder Szenarien fallen viel zu speziell aus.

Wenn die Fragen stehen, legst du SÄMTLICHE Antworten für einen Typen fest, also erstmal alle Antworten für Typ A (der, der sich nicht traut), dann alle Antworten für Typ B (der irgendwie blockiert ist). Natürlich kannst du die Typen in anderer Reihenfolge durchgehen, solange du sämtliche Antworten für denselben Typ durchmachst, bevor du den nächsten Typ überlegst.

Damit tust du dich sehr viel leichter, dich in den jeweiligen Typen einzufühlen und weil du den Fokus immer auf der gleichen Tendenz hast – z. B. das ist der, dem in der Situation nie was einfällt, der immer sprachlos oder emotional blockiert ist -, hast du eine klare „Denk-Richtung“. Das geht nicht nur schneller, sondern du sicherst ab, dass alle Antworten pro Typ treffend sind. Musst du hingegen pro Frage ständig alle vier Denkrichtungen einnehmen, ist das ein irre Gespringe, das sehr viel mehr Zeit kostet + meistens die Grenzen zwischen den Typen aufweicht.

Du merkst übrigens auch schneller, wenn du zwei Typen ausgewählt hast, die zu ähnliche Antworten haben und kannst nachbessern, indem du die Typen vereinst oder von der Ausprägung her klarer trennst.

Behalte während der Arbeit am Test die gleiche Reihenfolge bei, sonst geht schnell die Übersicht verloren. Du kannst dann später, vor Veröffentlichung, die Antwortmöglichkeiten pro Frage durchmischen. Natürlich immer mit dem entsprechenden Buchstaben, der zur Auflösung passt.