Struktur

Struktur: Fragen helfen dir beim Konzipieren

Das wird jetzt eine Art Erinnerungsartikel für alle von euch, die in einem meiner Workshops waren oder schon länger mitlesen und nicht drauflos schreiben, sondern vorab ein Konzept machen.

Ihr wisst, dass nach dem Plankton-Arbeitstitel zunächst die weichenstellenden Fragen anstehen. Damit trefft Ihr die relevanten Entscheidungen, wie Ihr das Thema genau anpackt, es ausrichtet und was der Artikel für die Leser bewirken soll.

Ein Beispiel aus einem früheren Workshop:

Warum es keineswegs unhöflich, sondern sogar sinnvoll ist, dass du deine Gesprächspartner immer wieder mal unterbrichst

Umfang: max. 2 Seiten

Zielgruppe: Alle, die das Gefühl haben, dass sie in Besprechungen nicht aktiv genug sind, weil irgendwie immer jemand anderer spricht oder ihnen nicht zugehört wird.

Mein Ziel/meine Motivation: Ich könnte heulen, wenn ruhige Menschen zu viel einfach so mitmachen – In Gesprächen zum Statisten werden oder ihre eigenen Bedürfnisse und Standpunkte gar nicht erst äußern, weil sie vermeintlich keine Gelegenheit dazu haben. Ich will den Passiven den Rücken stärken.

Was soll der Leser wissen, können oder tun?

  • Der Leser erkennt, wie relevant Besprechungen für sein Image und sein Fortkommen sind: (1) Sichtbarkeit bei relevanten Personen (2) Standing im Kollegenkreis (3) fachlich gehört und respektiert zu werden (4) nicht passiv mitgehen zu müssen (5) Denkfehler und Fehlentscheidungen vermeiden.
  • Er sieht das Unterbrechen mal von einer positiven Seite: denn es geht nicht darum, jemandem ins Wort zu fallen, sondern darum, die Sache in den Vordergrund zu stellen.
  • Er nimmt sich vor, sich künftig keine Chancen mehr entgehen, vor allen Dingen sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Im nächsten Schritt legst du die Struktur deines Textes fest – denk dran: die Zwischen-Überschriften sind im Konzept ebenfalls im Arbeitstitel-Format, wieder zählt die Aussagekraft. Du entscheidest auf Basis dessen, was du bisher hast, den Aufbau des Textes:

Welche Passagen brauche ich in welcher Reihenfolge, sodass ich alles unterbringe + erreiche, was der Artikel erreichen soll?

Hier tun sich manche etwas schwer, weil sie in den Zwischen-Überschriften dann doch zu schlagwortartig, blumig oder neugierigmachend formulieren. Wenn dir das ebenfalls passiert, probiers mal mit Fragen!

Die gute Sache: Es gilt bei der Text-Struktur das gute alte „viele Wege führen nach Rom“. Es gibt also nicht nur die eine mögliche Struktur.

Beispiel 1:

Warum es keineswegs unhöflich, sondern sogar sinnvoll ist, dass du deine Gesprächspartner immer wieder mal unterbrichst

Intro

Was passiert, wenn ich in Meetings immer still bin und mir das Wort nehmen lasse?

[in dieser Strukturvariante würden die negativen Folgen erklärt und daran geknüpft jeweils direkt dazugeschrieben, inwiefern sich das verändert, wenn man aktiver ist/sich das Wort zurückholt]

  • Mache mich unsichtbar. [Erklärung]
  • Kein oder ein schlechtes Standing bei Kollegen. [Erklärung]
  • Fachlich nicht einschätzbar oder als nicht relevant betrachtet. [Erklärung]
  • Begrenzt sich selbst aufs Reagieren, auch in Dingen, die man nicht mitträgt. [Erklärung]
  • Begünstigt Denkfehler und Fehlentscheidungen. [Erklärung]

Aktiv ist besser als passiv! – Für alle Beteiligten.

xxx

Beispiel 2:

Warum es keineswegs unhöflich, sondern sogar sinnvoll ist, dass du deine Gesprächspartner immer wieder mal unterbrichst

Intro

Wer zu ruhig ist, macht sich zum Statisten – Welche Konsequenzen hat das?

[hier würde eine kleine Aufzählung ohne weitere Erklärung reichen]

Aber sind Unterbrechungen nicht unhöflich?

[dafür wäre hier mehr Gewicht auf den Vorbehalten der Leser, die Erklärung, dass und inwiefern Unterbrechungen sinnvoll sind, wäre nicht an die einzelnen Folgen gekoppelt]

Beispiel 3:

Warum es keineswegs unhöflich, sondern sogar sinnvoll ist, dass du deine Gesprächspartner immer wieder mal unterbrichst

Intro [In dieser Strukturvariante packe ich jede Folge in eine eigene Frage:]

Wie beschädige ich meine Sichtbarkeit?

xxx

Warum leidet mein Standing im Kollegenkreis?

xxx

Inwiefern gilt mein Know-how nichts bzw. kann nicht eingeschätzt werden?

xxx

Wieso begrenze ich mich selbst, wenn ich anderen ständig das Wort überlasse?

xxx

Inwiefern trage ich zu Denkfallen und Fehlentscheidungen bei, wenn ich meinen Mund halte?

xxx

Andere unterbrechen bedeutet, Standpunkte und Know-how einzubringen

xxx

Mal unabhängig davon, wie du beim Schreiben vorgehst:

Schau dir mal aufmerksam jedes einzelne Beispiel noch mal an und achte darauf, in welcher Reihenfolge der Leser durchgeführt wird. Es ist klar, dass bei gleichen Kernpunkten ein anderer Artikel rauskommt, weil die Informationen und Argumente unterschiedlich an die Leser gebracht werden.

Wenn ich meinen Text-Aufbau vor dem Schreiben entscheide, kann ich total folgerichtig und zielorientiert schreiben – da kippt mir nichts weg, ich schreibe nicht am Thema vorbei und es dauert auch nicht lange, weil ich mir während des Schreibens nicht erst überlegen will, wo ich hinmöchte.

Das beschneidet übrigens nicht deine Kreativität, du entscheidest ja! Nur ziehst du die Entscheidungen vor.

 

Kategorie: Struktur

von

Seit 1999 bin ich selbstständig, seit einigen Jahren aufs Schreiben spezialisiert. Das Wichtigste, wenn man Neues lernen und besser werden möchte, ist das Dranbleiben. Damit das gelingt, braucht es Neugier und Spaß an der Sache. Das wiederum erfordert, dass man sich traut, nicht perfekt zu sein.